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Anleihen

Ist es an der Zeit, europäische Staatsanleihen in Erwägung zu ziehen?

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Im bisherigen Verlauf des Jahres 2017 war der politische Kalender bereits sehr voll, und David Zahn, Leiter European Fixed Income der Franklin Templeton Fixed Income Group, rechnet damit, dass politische Überlegungen für Anleger auf der Suche nach Chancen in Europa auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen werden.  Hier erläutert er, warum sich ein flexibler Ansatz für Anleihenanlagen vor dem Hintergrund eines überfüllten politischen Zeitplans als wertvoll erweisen könnte und warum er der Ansicht ist, dass der europäische Markt für Staatsanleihen weiterhin attraktive Chancen bietet.

Nun, da sich das erste Halbjahr seinem Ende nähert, liegen mehrere für Europa bedeutende politische Ereignisse bereits hinter uns. Dennoch sind wir der Ansicht, dass sich Anleger, die in Europa nach Chancen Ausschau halten, auch weiterhin auf die Politik konzentrieren werden. In den nächsten Monaten stehen in Frankreich die Wahlen zur Nationalversammlung und in Deutschland die Bundestagswahlen an. Zudem werden auch die Brexit-Verhandlungen wieder in Gang kommen, nachdem am 8. Juni in Großbritannien vorgezogene Neuwahlen abgehalten wurden.

Gleichzeitig dürften Anleger auch weiterhin auf die jüngsten politischen Entwicklungen in Spanien, Italien und Griechenland achten. Meiner Einschätzung nach werden diese jedoch nicht zu radikalen Änderungen am „europäischen Projekt“ insgesamt führen.

Frankreichwahl

Die Reaktion des Marktes auf die Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs im vergangenen Monat fiel gedämpft aus. Allerdings wird er in der Nationalversammlung des Landes Unterstützung aufbauen müssen, um seine Agenda umzusetzen.

Die in diesem Monat stattfindenden Parlamentswahlen, für die Macrons Partei En Marche zahlreiche Kandidaten aufgestellt hat, sollten Hinweise darauf liefern, wie stark die Dynamik des neuen Präsidenten tatsächlich ist.  Unserer Einschätzung nach dürfte die Präsidentschaft Macrons auf Schwierigkeiten zusteuern, da sich die wirtschaftlichen Fundamentaldaten Frankreichs weiterhin verschlechtern.

Zwei wesentliche wirtschaftliche Sorgenherde Frankreichs – die hohe Schuldenstandsquote des Landes sowie das erhebliche Leistungsbilanzdefizit – bereiten den Anlegern weiterhin Kopfzerbrechen. Macron hat erklärt, dass er sich für die Einhaltung der Defizitgrenze der Europäischen Union (EU) von 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Frankreich einsetzen will. Derzeit liegt das Land knapp über dem von der EU vorgegebenen Zielwert.

Allerdings ist dies nur schwerlich mit seinen übrigen Ambitionen vereinbar, da er gleichzeitig die öffentlichen Ausgaben senken und die Ausgaben für Sicherheit erhöhen will, um die Anzahl an Polizisten zu erhöhen. Daher dürfte es aus unserer Sicht für die neue Regierung schwierig werden, in erheblichem Maße auf diese Themen einzugehen. Somit sehen wir derzeit keinen Wert bei französischen Staatsanleihen.

Deutsche Bundestagswahl am Horizont

Derweil steigt die Erwartung bezüglich der für den 24. September angesetzten deutschen Bundestagswahl. Die wahrgenommene Herausforderung für die Vormachtstellung Kanzlerin Angela Merkels scheint sich zuletzt abgeschwächt zu haben, wir gehen jedoch weiterhin davon aus, das Fragen über Immigration und Arbeitsmarktthemen im Fokus bleiben dürften, wenn der Wahlkampf in seine heiße Phase geht.

In Spanien sind für dieses Jahr zwar keine landesweiten Wahlen geplant, die Wiederernennung von Pedro Sanchez zum Anführer der sozialistischen Partei des Landes hat jedoch Wellen geschlagen. Sanches war vor acht Monaten als Parteivorsitzender abgelöst worden, und einige Kommentatoren haben angedeutet, dass die politische Stabilität in Spanien ins Wanken geraten könnte, da Sorgen um den neuen Chef der sozialistischen Partei eine legislative Pattsituation verschärfen und letztlich zu vorgezogenen Neuwahlen führen könnten.

Ausblick für Anleihenwerte

Derweil beobachten wir, dass sich die Chancen bei Staatsanleihen mehren. Unserer Ansicht nach sollte sich Flexibilität im aktuellen Marktumfeld als vorteilhaft erweisen, da die Entwicklungen sehr stark vom politischen Umfeld und den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt werden.

In Abhängigkeit davon, welche Staatsanleihen sie bereits halten und welche nicht, sollte die politische Unsicherheit Anlegern die Chance bieten, sehr unterschiedliche Renditen ins Visier zu nehmen.

Insbesondere die Differenzen zwischen den Anleiherenditen einiger Länder der Eurozone sollten potenzielle Chancen für Anleger bieten, die bereit sind, sich flexibel von weniger attraktiven Sektoren auf Bereiche zu verlagern, in denen sie Wertpotenzial sehen. Die Bewertungen hochverzinslicher Anleihen sind aus unserer Sicht hingegen vergleichsweise ausgereizt. Eine ähnliche Stimmung ist auch bei Kreditwerten mit Investment Grade zu beobachten.
Brexit: Ein Blick nach vorne

Britische Wähler werden am 8. Juni im Rahmen einer vorgezogenen Neuwahl darüber abstimmen, ob die konservative Partei den Rückhalt erhält, den sie benötigt, um die Position der britischen Premierministerin Theresa May bei den Brexit-Verhandlungen zu stärken.

Wir rechnen damit, dass die Brexit-Verhandlungen mit Europa einige schwierige Entscheidungen für die britische Regierung mit sich bringen wird – insbesondere wenn es darum geht, die parlamentarische Zustimmung für die in zwei Jahren erwartete abschließende Vereinbarung einzuholen.

Eine ausgehandelte Brexit-Einigung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU wäre unserer Einschätzung nach im besten Interesse beider Parteien. Allerdings rechnen wir damit, dass sich britische Gilts im Fall eines harten Brexits, bei dem das Vereinigte Königreich sämtliche wirtschaftlichen Verbindungen zur EU kappt, recht gut entwickeln könnten.

Zum derzeitigen Kurs halten wir das Pfund Sterling gegenüber dem Euro für unterbewertet, und da der Wechselkurs so stark von politischen Faktoren beeinflusst wird, ist es schwierig, genau vorherzusagen, wie die Währung in den kommenden Wochen und Monaten schwanken wird. Somit sehen wir momentan kaum Chancen bei europäischen Währungen.

Da in Europa eine ganze Reihe von Ereignissen anstehen und die Möglichkeit eines Dominoeffekts besteht, halten wir den Markt für Staatsanleihen aus der Eurozone für eine flexible Option, die durchaus in Erwägung gezogen werden sollte.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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