Beyond Bulls & Bears

Anleihen

Warum lernen Anleger nicht aus der Murmeltier-Zeitschleife?

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Erfahrene Finanzmarktprofis erkennen in den letzten Jahren teilweise Parallelen zum Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ aus dem Jahr 1993: ähnliche Muster, die sich in einer Zeitschleife ständig zu wiederholen scheinen.

Während Phil, die Hauptfigur des Films, von jeder Wiederholung des Tags des Murmeltiers lernt und schließlich Rita (gespielt von Andie MacDowell), in die er sich verliebt hat, erobert, bin ich nicht sicher, ob die Märkte die Lektionen ihrer eigenen wiederholten Erfahrungen ebenso erfolgreich beherzigen.

In den letzten Jahren wiederholen sich Anleger, Beobachter und sogar einige Politiker in dem Ruf, die US-Notenbank (Fed) möge insbesondere die Zinsen erhöhen. Trotz allem bleiben die Zinsen rund um den Globus historisch niedrig. Selbst in den USA wurde die langersehnte Zinsanhebung noch nicht vollständig umgesetzt.

Im Nachhinein ist es für uns eindeutig, dass der Markt die Stärke der globalen Liquidität und die Macht der Zentralbanken weltweit weitgehend missverstanden hat.

Die Renditen sollten höher sein

Mit Blick auf die aktuelle US-Wirtschaft, besonders im globalen Zusammenhang, sind wir der Meinung, dass die Renditen fundamental höher sein sollten. Selbst wenn sie länger als von vielen Beobachtern erwartet auf historisch niedrigem Niveau verharrten, gehen wir davon aus, dass die langfristigen Renditen steigen werden.

Im Oktober 2014 hatte die Fed endlich ihr quantitatives Lockerungsprogramm (QE) beendet, erstmalig über eine Bilanzkürzung gesprochen und begonnen, die kurzfristigen Zinssätze anzuheben.

Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass wir uns in einem globalen Umfeld befinden, in dem andere einflussreiche Zentralbanken wie die Bank von Japan und die Europäische Zentralbank (EZB) auf einem historisch niedrigen Zinsniveau beharren und aggressiv Wertpapiere aufkaufen.

Während wir daher im Prinzip eine Rendite von rund 2,3 % für eine 10-Jahres-Schatzanleihe nicht für hoch halten, erscheint sie uns in einem neuen Licht, wenn in anderen Industrieländern die Renditen noch nahe an null oder 0,3 Prozent liegen.

Mit Blick auf das Jahresende oder die kommenden 12 Monate müssen wir uns fragen, ob die Kräfte, welche die Zinsen weltweit niedrig halten, sich hinreichend ändern werden, um den Murmeltierzyklus zu durchbrechen.

Globale Einflüsse

In Europa setzt die EZB ihre Anleihenkäufe fort, jedoch erkennen wir nicht, dass beispielsweise Deutschland mehr Bundesanleihen auflegt. Im Gegenteil, das Volumen geht zurück und die deutschen Bundesanleihen bilden die Basis für die Preisfindung in der gesamten europäischen Renditekurve. Solange hier keine spürbare Änderung zu sehen ist, fällt es mir schwer, vorzustellen, dass die Zinsen in Europa auf breiter Basis steigen.

Japan ist ein noch geschlossenerer Markt, in dem die Bank von Japan tatsächlich dominiert. In einem Umfeld, in dem die Zinssätze – sogar die langfristigen – weltweit niedrig sind und wahrscheinlich niedrig bleiben dürften, besteht unserer Meinung nach eine Art Deckel für die langfristigen Zinssätze in den USA auf nahe und sogar mittlere Sicht.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann

Einen globalen Einfluss auf die Fed sehen wir jedoch eher beim Timing als bei der Strategie. Im Gegensatz zu anderen Zentralbanken orientiert sich die Fed explizit an der Binnenwirtschaft und insbesondere am Arbeitsmarkt und an der Inflation.

Aus unserer Sicht haben Binnenfaktoren den größten Einfluss auf die Politik der Fed, hauptsächlich auf ihr konkretes Mandat zum Arbeitsmarkt und zur Preisstabilität, während globale Faktoren eine Nebenrolle spielen. Daher dürften nach unserer Meinung globale Faktoren zwar den Zeitpunkt der Maßnahmen durch die Fed beeinflussen, nicht jedoch unbedingt die Richtung.

Anleger, die diese Dynamik verstehen und aus früheren Erfahrungen lernen, finden hierbei Unterstützung für informierte Entscheidungen.

Unternehmensanleihen

US-Unternehmensanleihen haben in den letzten 12 bis 14 Monaten deutlich zugelegt und das Emissionsvolumen von US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade war noch nie so hoch.

Die Bewertungen sind zwar hoch, wir halten ihre Höhe jedoch nicht für beunruhigend und insbesondere scheinen uns die Fundamentaldaten entsprechend gut zu sein.

Als Anleger versuchen wir, die Fundamentaldaten vorwegzunehmen und achten auf Frühwarnsignale. Derzeit tritt der aktuelle US-Konjunkturzyklus in sein achtes Jahr, sodass wir auf Anzeichen für nachlassende Bonität achten müssen. Für die absehbare Zukunft erscheinen uns die Bedingungen für Unternehmensanleihen jedoch günstig.

Solange die Liquidität anhält, sollte die Emissionstätigkeit unserer Meinung nach Schritt halten. Derzeit sehen wir keine bedeutenden Änderungen in der globalen Liquidität.

Wir bleiben bei unserem überwiegend positiven Ausblick für Unternehmensanleihen im Jahr 2017 im gesamten Risiko-Ertrag-Spektrum. Dazu gehören Investment-Grade-, aber auch High-Yield-Anleihen und Leveraged Loans. Aus unserer Sicht bieten die fundamentalen Rahmenbedingungen eine gute Basis für den Sektor der Unternehmensanleihen.

Wenn Sie also demnächst den neuesten Kassenschlager des Sommers genießen, vergessen Sie bitte nicht die Lehren dieses bewährten Leinwand-Oldies.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen gegenläufig zu den Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Veränderungen der Finanzkraft eines Anleihenemittenten oder der Bonitätsbewertung einer Anleihe können sich auf deren Wert auswirken. Die Anlage in höher und variabel verzinslichen Anleihen und Schuldtiteln mit niedrigerem Rating birgt ein größeres Ausfallrisiko. Dies könnte zum Verlust des angelegten Kapitals führen – ein Risiko, das bei nachlassender Konjunktur steigen kann.

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