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Warum Goldminenaktien in neuem Glanz erstrahlen könnten

Steve Land, Vice President und Portfolio Manager der Franklin Equity Group, unterzieht in dem Beitrag die Fundamentaldaten der Branche einer genaueren Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass sie gute Argumente für eine langfristige Anlage in Gold oder Goldaktien liefern.

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Die physischen Goldpreise sind im September auf neue Jahreshöchststände gestiegen und haben damit ähnliche Niveaus wie im September 2016 erreicht. Dennoch werden zahlreiche Goldaktien zu deutlich niedrigeren Kursen gehandelt als vor einem Jahr. Dies gilt insbesondere für die kleineren Minenbetreiber, die kaum an der jüngsten Goldrally partizipiert haben.

Nachdem es Gold während der letzten 18 Monate nicht gelungen ist, einen konstanten Aufwärtstrend aufrecht zu erhalten, scheint den Anlegern aus unserer Sicht allmählich die Geduld auszugehen. So haben dann viele Anleger Kursanstiege genutzt, um ihre Bestände zu veräußern. Angesichts des allgemeinen weltweit vorherrschenden makroökonomischen Umfelds könnte diese Haltung jedoch eine interessante Chance für längerfristig ausgerichtete Anleger schaffen.

Warum sich die aktuelle Gold-Rally fortsetzen könnte

Es gibt mehrere Faktoren, die starken Einfluss auf den Goldkurs haben können. Hierzu zählen unter anderem:

  • Kursveränderungen des US-Dollars;
  • Unsicherheit am Markt;
  • globale Inflation;
  • reale Zinsen; und
  • das Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Angesichts der allgemeinen Marktlage genießt die aktuelle Gold-Rally aus unserer Sicht solide Unterstützung.

Wir sind der Ansicht, dass die jüngste Abschwächung des US-Dollars positive Auswirkungen auf Gold haben wird, da sich der Kurs des Edelmetalls in der Regel entgegengesetzt zum Wechselkurs bewegt. Der US-Dollar wurde zuletzt abgewertet, da sich Anleger auf höhere Basiszinsen in anderen Regionen der Welt einstellen und weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) angesichts des Mangels an Inflation im Land, der niedrigen Arbeitslosigkeit und der Auswirkungen der Hurrikane Harvey und Irma unwahrscheinlicher werden.

Vor diesem Hintergrund dürfte es unserer Meinung nach für die Fed schwierig werden, ihre Zinsen auf ein Niveau oberhalb der Inflationsrate anzuheben. Das wiederum könnte Gold auf relativer Basis attraktiver machen, denn wenn die realen Zinsen steigen, erhalten Anleger, die in physisches Gold investiert haben, keinerlei Erträge, so dass die Opportunitätskosten von Goldbarren im Vergleich zu ertragbringenden Anlagen steigen.

Überdies weist Gold in der Regel eine äußerst geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen auf. Anleger wenden sich dem Edelmetall üblicherweise in Phasen erhöhter globaler Unsicherheit zu, da es nicht an ein bestimmtes Land oder ein bestimmtes Wirtschaftssystem gebunden ist. Steigende globale Handelsspannungen und die aggressive Haltung Nordkoreas sind nur zwei der Beispiele für Faktoren, die derzeit als Katalysatoren dienen. Wir hoffen zwar auch weiterhin, dass die Spannungen wieder nachlassen werden, Nordkorea ist auf globaler Ebene jedoch eine äußerst unberechenbare Unbekannte – insbesondere, da sich das Land derzeit offenbar zunehmend von China distanziert und mit Südkorea, Japan und den USA auf direkten Konfrontationskurs geht.

Sinkendes Angebot aus Goldminen könnte Preise stützen

Auf der Nachfrageseite sind China und Indien die wichtigsten Käufer von physischem Gold, und die Nachfrage aus Indien ist im zweiten Quartal sehr stark ausgefallen. Wir beobachten zudem weitere angebotsseitige Faktoren, die die Entwicklung beeinflussen.

Die Gewinnmargen von Goldminen erreichten 2010 ihren Höchststand. Obwohl die Goldpreise danach noch zwei Jahre lang weiter aufwärts tendierten, hatten Bergbauunternehmen die Kontrolle über ihre Kosten verloren, so dass diese schneller anstiegen als der Goldkurs. Als die Goldminenbetreiber ihre Kosten schließlich insgesamt wieder unter Kontrolle hatten, setzte der Goldkurs zu einem Sinkflug an, und die Jahr für Jahr sinkenden Preise erzwangen immer tiefere Einschnitte.

In diesem schwierigen Umfeld kürzten viele Bergbauunternehmen ihre Explorationsbudgets deutlich und verringerten gleichzeitig die Anzahl neuer Projekte. Aufgrund der niedrigeren angenommenen Goldkurse wurden auch die Reserven gekürzt, da Goldvorkommen, die bis dahin als wirtschaftlich rentabel angesehen worden waren, in neuen Abbauplänen unberücksichtigt blieben.

Auch wenn die Branche inzwischen ihre nachhaltigen Gesamtproduktionskosten (All-In Sustaining Costs, ASIC) ausweist, investieren die meisten Unternehmen unserer Ansicht nach nicht genügend, um ihr Geschäft aufrecht zu erhalten. Viele Bergbauunternehmen ersetzen die abgebauten Goldmengen nicht durch neu entdeckte Liegenschaften. Sie investieren auch nicht in neue Minen, die die heutigen Abbaustellen eines Tages ersetzen können, wenn die dortigen Erzvorkommen erschöpft sind.

Dies hat zur Folge, dass Prognosen inzwischen davon ausgehen, dass die Goldproduktion in den nächsten Jahren ihren Höchststand erreichen sollte. Unseres Erachtens wird es dann erst einmal lange Zeit dauern, bis sich der Abwärtstrend wieder umkehrt. Wenn wir beispielsweise die 1990er Jahre zum Vergleich heranziehen, so zeigt sich, dass der Goldpreis seine Talsohle 1999 bei einem Kurs von etwa 250 USD je Unze durchschritt. Die Goldproduktion hatte ihren Höchststand jedoch schon 1998 erreicht und ging trotz stetig steigender Preise bis 2007 immer weiter zurück. Von der erstmaligen Entdeckung eines neuen Goldvorkommens bis zur Inbetriebnahme einer Mine kann es durchaus 10 bis 15 Jahre dauern, und in jüngster Zeit wurden nur wenige hochwertige Projekte in die Entwicklungs-Pipeline aufgenommen. Das beschränkte Minenangebot dürfte dem Goldkurs auf absehbare Zeit Unterstützung bieten.

Höhere Goldkurse sind auch für Goldminenbetreiber gut

Einer der Gründe für die hohe Volatilität von Goldaktien ist die Tatsache, dass relativ kleine Preisveränderungen bei physischem Gold starke Schwankungen der für Aktionäre verfügbaren Cashflows zur Folge haben können. Angenommen, die Kosten für den Abbau einer Unze Gold und die entsprechende Verarbeitung zu einem Goldbarren belaufen sich für ein Unternehmen auf 850 USD, während die Kapitalkosten für den Betrieb der Mine, die Exploration zum Ersatz dieser Unze und die Gemeinkosten des Unternehmen bei 350 USD je Unze liegen. Somit würden die Gesamtkosten je Unze also 1.200 USD betragen, d.h. bei einem Goldkurs von 1.200 USD würde das Unternehmen kein Geld verdienen.

Fällt der Goldkurs unter die Marke von 1.200 USD je Unze, so würde das Unternehmen in unserem Beispiel aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ausreichend in Exploration investieren und seine Reservebasis aufbrauchen. Zudem dürften die Investitionsausgaben auf ein Niveau sinken, bei dem eine Zunahme operativer Schwierigkeiten zu erwarten wäre. Allerdings dürfte es dem Unternehmen gelingen, die Nase noch ein paar Jahre über Wasser zu halten, selbst wenn der Goldkurs auf 1.000 USD je Unze sinkt.

Bei einem Kurs von 1.300 USD je Unze würde das Unternehmen mit jeder Unze 100 USD verdienen, bei einem Kurs von 1.400 USD wären es schon 200 USD je Unze. Eine Veränderung des Goldkurses um 100 USD würde also den erzielten Cashflow verdoppeln. Dies ist zwar nur ein hypothetisches Beispiel auf der Basis unserer Recherchen und Analysen, die tatsächlichen Verhältnisse weichen hiervon jedoch nicht allzu stark ab.

Sinkende Goldbestände könnten zu Fusionen und Übernahmen führen

Angesichts des bis Ende 2016 verzeichneten mehrjährigen Abwärtstrends beim Goldkurs konzentrieren sich die Managementteams der meisten Unternehmen auch weiterhin in erster Linie auf eine strikte Kostenkontrolle. Allgemein haben sie 2017 ihre Bilanzen verbessert, und einige von ihnen versuchen, mit geringfügigen Dividendenerhöhungen ihre Glaubwürdigkeit unter Anlegern wieder zu stärken. Explorationsaktivitäten wurden angesichts des aktuellen Preisumfelds als zu riskant eingestuft und in weiten Teilen zurückgestellt. Die Explorationsbudgets haben sich größtenteils auf Regionen konzentriert, die von bestehenden Werken aus leicht erreichbar sind, um so im Fall eines Erfolgs auch eine überzeugende Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.

Infolge dieser Entwicklungen hat die Branche ihre Fördermengen allgemein nicht durch neue Entdeckungen ersetzt. Ein CEO eines Goldunternehmens hat kürzlich erklärt, die Branche habe in den fünf Jahren von 2011 bis 2015 jährlich etwa 10 Millionen Unzen Gold entdeckt, dabei gleichzeitig jedoch 90 Millionen Unzen pro Jahr abgebaut.[1]

Unserer Einschätzung nach haben viele Goldminenbetreiber so wenig investiert, dass wir uns kaum vorstellen können, dass die Goldproduktion in fünf Jahren über dem heutigen Niveau liegen kann – selbst wenn die entsprechenden Ausgaben massiv erhöht werden.

Mit Blick auf die Zukunft rechnen wir mit einer verstärkten Konsolidierung innerhalb der Goldbranche, während Goldminenbetreiber versuchen, ihre Bestände wieder aufzubauen. Darüber hinaus rechnen wir mit der Bildung weiterer Partnerschaften, die Unternehmen die Möglichkeit bieten, sich an neuen Projekten zu beteiligen und die damit verbundenen Risiken besser zu steuern.

Ausblick für Goldminenaktien

 In diesem Umfeld sehen wir attraktive Chancen bei Gold- und Edelmetallaktien, da zahlreiche Unternehmen zu Bewertungen gehandelt werden, die unter den Kosten liegen, die heute für einen Neuaufbau der bestehenden Minen aufgebracht werden müssten. Bewertungskennzahlen wie etwas das Kurs-Cashflow-Verhältnis oder das Verhältnis von Unternehmenswert zum Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erscheinen ebenfalls sowohl auf absoluter Basis als auch im historischen Vergleich attraktiv.

Bei der Auswahl von Anlagen in Goldminenaktien suchen wir nach Unternehmen mit einer attraktiven, kostengünstigen Ressourcenbasis und einem starken Managementteam, das eine solide Erfolgsbilanz vorweisen kann. Zudem konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die in der Lage sind, ihr Produktionsprofil durch die Entwicklung neuer Minen oder eine Erweiterung bestehender Anlagen zu verstärken. Ein aktives Explorationsprogramm, das in der Lage ist, das künftige Wachstum der Reserven zu verstärken, bietet ebenfalls eine Möglichkeit, um Mehrwert innerhalb des Goldminensektors zu schaffen.

Goldaktien sind volatil. Aus unserer Sicht sind Abbauunternehmen jedoch gut positioniert, um einen möglichen weiteren Abschwung der Preise zu überleben. Gleichzeitig bieten sie erhebliches Aufwärtspotenzial, wenn die Preise wieder ansteigen.

Unserer Ansicht nach ist dies für Anleger ein günstiger Zeitpunkt, um den Goldabbausektor einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Im Edelmetallsektor kommt es zu Preis- und Kursschwankungen bei Gold und anderen Edelmetallen. Die Preise und Kurse von Edelmetallen reagieren stärker auf widrige Veränderungen der den Sektor betreffenden wirtschaftlichen Entwicklung oder regulatorischen Entwicklungen. Überdies kann bei Anlagen im Ausland das Risiko von Währungsschwankungen und politischer Unsicherheit bestehen. Anlagen in Entwicklungsländern beinhalten ähnliche Risiken, die jedoch aufgrund des relativ kleinen Volumens und der geringeren Liquidität dieser Märkte höher sind. Kleinere Unternehmen können gegenüber Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders empfindlich sein, und ihre Wachstumsaussichten sind weniger sicher als die von größeren, etablierteren Unternehmen. Eine Anlage in einem nicht diversifizierten Portfolio birgt das Risiko höherer Preisschwankungen als bei einem diversifizierteren Portfolio.

[1]Quelle: Thomson Reuters.