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Warum der indische Aktienmarkt unter Umständen eine bittere Pille schlucken muss

Der indische Aktienmarkt wurde durch eine ganze Reihe staatlicher Reformen auf kurze Sicht belastet. Doch Sukumar Rajah, Managing Director und Chief Investment Officer, Asian Equity, ist der Überzeugung, dass diese Reformen und die wachsende indische Mittelschicht für langfristig orientierte Anleger Chancen bieten könnten.

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Um die jüngsten Reformen in Indien und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Aktienmarkt herrscht große Unsicherheit. Manche Beobachter vertreten die Auffassung, dass die Maßnahmen der Regierung zur Verringerung des Bargeldumlaufs und zur Bekämpfung der Korruption gescheitert sind. Und einige behaupten, die Einführung der neuen Umsatzsteuer Goods and Services Tax (GST) könnte eine stärkere Belastung sein als erwartet.

Zwar ist es noch zu früh, um die Wirkung dieser Reformen genau absehen zu können, doch wir sind der Überzeugung, dass umfassende Reformen das aktuelle System auf lange Sicht ins Lot bringen und die Effizienz verbessern dürften.

Insbesondere werden wir die Antwort der indischen Regierung auf die wachsende Zahl fauler Bankkredite – sog. „notleidender Vermögenswerte“ – genau beobachten.

Staatliche Behörden und die Reserve Bank of India treffen mittlerweile Vorkehrungen, um das System zu säubern und betroffene Unternehmen zu konsolidieren. Dies stellt für die unmittelbaren Gewinn- und Wachstumsaussichten vieler indischer Unternehmen eine Herausforderung dar. Sicherlich eine bittere Pille, nach unserer Einschätzung jedoch unumgänglich. Wir erwarten, dass sich dieser Reformprozess für langfristig orientierte Anleger als positiv erweisen wird.

Woher die guten Zahlen?

Wir halten die positive Entwicklung des indischen Aktienmarktes im bisherigen Jahresverlauf für eine Folge der umfassenden staatlichen Reformen und des Konsumverhaltens der wachsenden Mittelschicht.

Aufgrund ihres kometenhaften Anstiegs im bisherigen Jahresverlauf notieren indische Aktien fast auf Allzeithochs. Dies könnte bei manchen Anlegern zu der Sorge führen, sie könnten zu hoch bewertet sein. Hinsichtlich der Bewertungen haben wir derzeit jedoch keine allzu großen Bedenken. Ein auf kurze Sicht robustes Wachstum dürfte das Vertrauen in die indischen Aktienmärkte stärken. Überdies finden sich vereinzelte Überbewertungen vornehmlich bei Aktien mit geringer und mittlerer Marktkapitalisierung – einem Bereich, in dem eine hohe Konzentration inländischer Liquidität vorliegt.

Die lokalen Anleger investierten in der Vergangenheit nur wenig in Aktien. In jüngster Zeit ist jedoch ein zunehmender Hunger der lokalen Anleger nach Aktien zu beobachten. Hierdurch wurde das untere Ende des Marktes in den Small- und Mid-Cap-Bereich getrieben. Demzufolge könnte eine Zunahme der Dynamik nach unserem Dafürhalten der Beginn eines jahrzehntelangen Trends sein.

Während die indischen Aktienbewertungen auf breiter Front nahe an Allzeithochs liegen, steht das Verhältnis zwischen Marktkapitalisierung und indischem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenwärtig etwa auf dem langfristigen Mittelwert. Dies könnte darauf hindeuten, dass es für Aktien weiter nach oben geht und es Spielraum für Wachstum gibt.

Sektor zyklische Konsumgüter profitiert von wachsender Mittelschicht

Das sich ändernde Umfeld in Indien, und insbesondere das Anwachsen der Mittelschicht, bestärkt uns in der Überzeugung, dass bestimmte Sektoren einem weiteren Wandel unterliegen können. Hierzu gehören die Sektoren Industrie und zyklische Konsumgüter, einschließlich Bekleidung, Unterhaltung und Freizeit.

Bisher waren wir Befürworter des Sektors Informationstechnologie (IT). Wir halten den Spielraum für Wachstum im IT-Sektor aktuell jedoch für begrenzt. Demzufolge könnte der Wachstumsausblick Herausforderungen bereithalten.

In gewisser Hinsicht teilen wir diese Einschätzung für den IT-Sektor auch für den Pharma-Sektor. Indische Pharmaunternehmen, die Marktanteile im riesigen US-Pharmasegment erlangen wollten, mussten den begrenzten Spielraum für Expansion erkennen. Kurzfristige Probleme, darunter Streitigkeiten zwischen den Herstellern, wirkten sich nachteilig auf den Sektor aus. Infolgedessen rechnen wir damit, dass das langfristige Wachstum im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren viel niedriger sein wird.

Warum ist die demografische Entwicklung wichtig?

Die wachsende Zahl inländischer indischer Anleger hat das Umfeld des Aktienmarkts in Indien verändert. Bessere Informationen, Bildung und eine größer werdende Mittelschicht mit wachsenden Ersparnissen stützen die Nachfrage nach Aktienanlagen.

Die indische Mittelschicht wächst rasch. Bis 2022 könnte die indische Mittelschicht die USA überholt haben und zum zweitgrößten Mittelschichtmarkt der Welt werden.[1] Mit ihrem Anwachsen dürfte auch die Nachfrage in den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistungen und Freizeit steigen und diese Sektoren des Marktes in der Zukunft ankurbeln.

Nach unserer Einschätzung sind indische Aktien aus mehreren Gründen, darunter die staatlichen Reformen, die demografische Entwicklung und die wachsende Mittelschicht, attraktiv. Die günstige demografische Entwicklung in Indien könnte für Rückenwind sorgen und die Nachfrage in bestimmten konsumgetriebenen Sektoren des Marktes ankurbeln.

Vorerst sollte der indische Markt die Nachwirkungen der Änderungen verdauen, die durch die Regierung umgesetzt wurden, und die Beschleunigung des Gewinnwachstums abwarten.

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[1] Homi Kharas, Global Economy and Development at Brookings, Working Paper 100, The Unprecedented Expansion of the Global Middle Class, Februar 2017.