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Anleihen

Sukuk auf dem Weg in den finanziellen Mainstream

Anleger, die einen Teil ihres Portfolios in festverzinsliche Wertpapiere investieren wollen, haben ihre Aufmerksamkeit in der Vergangenheit stets vor allem auf herkömmliche Staats- und Unternehmensanleihen gerichtet. Dino Kronfol, CIO der Franklin Templeton Global Sukuk- und MENA Fixed Income-Strategien, ist der Ansicht, dass Sukuk (Anleihen, die die Anforderungen von islamischem Recht erfüllen) immer mehr Teil des finanziellen Mainstream werden. Hier erklärt er, warum dies keine übersehene Anlageklasse mehr ist, und räumt mit einigen der Mythen über diesen Anlagebereich auf.

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2017 erreichte der Markt für globale Schuldtitel mit einem Wachstum von 9,7 % ein Allzeithoch von 237 Bio. USD.[1] Aus unserer Sicht verschleiert diese Zahl allerdings eine noch viel interessantere Geschichte: das Emissionsvolumen von Sukuk erhöhte sich während dieser Zeit um 45 % auf insgesamt 97,9 Mrd. USD.[2]

Unserer Einschätzung nach gibt es mehrere Faktoren, die die allgemeine Wahrnehmung im Hinblick auf Sukuk-Anlagen verändern und das bisherige Nischenprodukt in den finanziellen Mainstream befördern könnten. Zu diesen Treibern zählt neben umfangreichen Emissionen der Länder des Golf-Kooperationsrats (GCC)[3] auch die Teilnahme anderer Länder wie etwa Indonesien, Hongkong, Großbritannien, Pakistan und die Türkei. Auch in Nigeria wurden bereits erste Sukuk auf den Markt gebracht.

Die Korrelation zwischen Sukuk und Ölpreisen war in der Vergangenheit gering

Ungeachtet dieses Wachstums sind globale Sukuk in unseren Augen eine oft missverstandene Anlageklasse. Zu den Irrmeinungen, von denen Sukuk häufig betroffen sind, zählen unter anderem die Vorstellungen, dass Sukuk dem mit der Ölpreisvolatilität verbundenen Ereignisrisiko gegenüber besonders anfällig sind oder dass sie sich ausschließlich auf einige wenige geografische Regionen konzentrieren.

Ein Großteil der Emissionen im globalen Sukuk-Universum stammte früher aus ölreichen Ländern der GCC-Region sowie aus Malaysia, einem weiteren ölexportierenden Land. Dennoch belegen unsere Analysen, dass die Anlageklasse den Ölpreisen alles andere als hilflos ausgeliefert ist. Genaugenommen ist die Korrelation zu Öl sogar recht gering.[4] Die dreijährige Korrelation globaler Sukuk zu Rohöl liegt bei 0,09[5]— In Wahrheit ist es also sehr unwahrscheinlich, dass Schwankungen der Ölpreise Auswirkungen auf den globalen Sukuk-Markt haben.

Wir würden zudem die Vorstellung in Frage stellen, dass es sich bei Sukuk um eine illiquide Anlageklasse handelt. Einzelne Sukuk-Emissionen werden immer größer, und immer mehr von ihnen werden an Börsen notiert, um eine Möglichkeit zur Ergänzung von Portfolios zu bieten. Unserer Erfahrung nach nutzt eine immer größer werdende Anzahl von Anlegern Sukuk als Möglichkeit zur Steigerung der Diversifizierung in ihrem Portfolio oder als Chance, in Bereiche des Marktes zu investieren, in denen sie mit ihren herkömmlichen Anleihebeständen nicht engagiert sind.

Die Zukunft von Sukuk in Asien, dem Nahen Osten und darüber hinaus

Das zunehmende Interesse aus dem Ausland könnte unserer Einschätzung nach den Schlüssel zu weiterem Wachstum des globalen Sukuk-Markts darstellen. Angesichts der erhöhten Standardisierung innerhalb des breiteren islamischen Finanzsektors und der wachsenden Präsenz in nicht überwiegend muslimischen Ländern wie etwa Großbritannien und den USA gehen wir davon aus, dass zusätzliche ausländische Anlagen in Regionen, in denen Sukuk ausgegeben werden, zur weiteren Entwicklung der Branche beitragen werden.

Ansprache eines breiteren Publikums

Beispielsweise könnte China für die Zukunft globaler Sukuk eine wichtige Rolle spielen, da sich globale islamische Zentren wie etwa Malaysia in der Regel nach den Bedürfnissen chinesischer Anleger richten.

Die ersten globalen Sukuk wurden 1990 in Malaysia begeben, und das Land ist bis heute einer der größten Märkte für Sukuk. Bislang waren die Aktivitäten am malaysischen Sukuk-Markt größtenteils auf Emissionen in Lokalwährung (malaysischer Ringgit) beschränkt.

Wir gehen davon aus, dass eine höhere Anzahl an Emissionen, die auf ausländische Währungen lauten, auf globaler Ebene für ein breiteres Publikum attraktiv sein könnte.

In Kombination mit einem von der Zentralbank unterstützten aufsichtsrechtlichen Reglement könnte dieser Ansatz Malaysia helfen, die von uns beobachtete ausländische Nachfrage zu bedienen und die Übernahme einer wirklich globalen Rolle am Sukuk-Markt zu fördern.

Das volle Ausmaß des chinesischen Interesses an diesem Bereich ist bislang zwar noch nicht ganz klar, wir gehen jedoch davon aus, dass kurzfristig chinesische Immobilien- und Finanzdienstleistungsunternehmen zu den größten Emittenten zählen dürften.

Wenn es Malaysia gelingt, seinen Sukuk-Markt auf die ausländische Nachfrage auszurichten, könnte dies unserer Einschätzung nach eine der Sukuk-Erfolgsgeschichten sein, die die Position islamischer Finanzansätze im Mainstream festigt.

Entwicklung des Sukuk-Markts

Die GCC-Länder und insbesondere Dubai stellen ein weiteres, äußerst interessantes Anlageziel dar, in dem wir echtes Potenzial für Wachstum bei Sukuk sehen.

Die Zahl der Sukuk-Emissionen ist in Malaysia weiterhin höher als in den GCC-Ländern, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass der inländische Markt tiefer ist und stärker entwickelte Versicherungs-, Pensions- und Vermögensverwaltungsbranchen aufweist. Allerdings stellen die GCC-Länder ein zunehmend attraktives Zentrum für ausländische Anlagen in Shariah-konforme Anlageprodukte dar.

Einer der Hauptgründe hierfür ist die Tatsache, dass Sukuk-Emissionen in der GCC-Region in der Regel auf US-Dollar lauten bzw. an diesen geknüpft sind.  Wir sehen auch weiterhin ein zunehmendes Interesse lokaler Regierungsstellen an der Ausgabe von Sukuk, da sie zunehmend als tragfähige Finanzierungsoption bzw. als Möglichkeit zur Diversifizierung und somit zur Verringerung der Abhängigkeit von Öleinnahmen gesehen werden. Allein Saudi-Arabien hat im vergangenen Jahr mit seiner ersten auf US-Dollar lautenden Sukuk-Emission Kapital in Höhe von 9 Mrd. USD eingenommen[6] – 1 Mrd. USD mehr als gemäß Regierungsangaben ursprünglich geplant waren.

Von den im laufenden Jahr verzeichneten Unternehmensemissionen in Höhe von 180 Mrd. USD stammten ca. 10 Mrd. USD aus der GCC-Region.[7] Auch wenn die Branche weiter wächst, allerding mit einem geringerem Tempo, hat es sich die Regierung von Dubai zum Ziel gesetzt, die Stadt zur Welthauptstadt für islamisches Finanzkapital zu machen. Zur Erreichung dieses Ziels hat sie bereits konkrete Schritte unternommen. Unseres Erachtens könnte sich Dubai zu einem führenden globalen Zentrum für die Börsennotierung von Sukuk entwickeln.

Allgemein nimmt die Anzahl globaler Sukuk-Emissionen zu. 2017 belief sich das Sukuk-Emissionsvolumen insgesamt auf 84 Mrd. USD, verglichen mit 71 Mrd. USD im Jahr 2016.[8] Unserer Einschätzung nach befinden wir uns auf einem positiven Pfad und sind sehr gespannt, wie sich der Sukuk-Markt in diesem günstigen Umfeld weiter entwickeln wird. Allerdings sind wir der Ansicht, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsbehörden, Regierungen und Branchenverbänden dazu beitragen könnte, diesen Investmentbereich stärker in den Mainstream zu befördern.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Die Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen gegenläufig zu den Zinsen. Wenn sich die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio den steigenden Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in Entwicklungsländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre relativ kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Solche Anlagen können im Verlauf eines bestimmten Jahres erheblichen Preisschwankungen unterworfen sein. Anlagen im Energiesektor bergen spezifische Risiken, unter anderem weil sie stärker auf widrige Veränderungen der den Sektor betreffenden wirtschaftlichen Entwicklung oder regulatorischen Entwicklungen reagieren.

[1] Quelle: Institute of International Finance, April 2018

[2] Quelle: Standard & Poor’s Global Ratings, Januar 2018.

[3] Der Golf-Kooperationsrat ist eine Allianz zwischen sechs Ländern des Nahen Ostens: Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

[4] Die Korrelation misst, im welchem Maße sich zwei Anlagen parallel entwickeln. Die Korrelation liegt zwischen 1 (vollständige positive Korrelation; d. h. zwei Positionen bewegten sich in der Vergangenheit immer in die gleiche Richtung) und -1 (vollständige negative Korrelation; d. h. zwei Positionen bewegten sich in der Vergangenheit immer in entgegengesetzte Richtungen).

[5] Quelle: FactSet, Stand: 31. März 2018. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

[6] Quelle: Finanzministerium – Saudi-Arabien.

[7] Quelle: Bloomberg. Stand: 31. Dezember 2017.

[8] Ebd.