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Perspektiven

Könnten Anleger den Schlüssel zur Bewältigung des Klimawandels in der Hand haben?

Ein ständig wachsender Fundus an wissenschaftlichen Erkenntnissen deutet darauf hin, dass eine erhebliche Verringerung der CO2-Emissionen erforderlich ist, um drastische wirtschaftliche und soziale Konsequenzen zu vermeiden. Maarten Bloemen, Executive Vice President und Portfolio Manager der Templeton Global Equity Group, ist davon überzeugt, dass Anleger in einer guten Position sind, diese Veränderungen voranzutreiben. Er erklärt seine Gründe hierfür und zeigt auf, wo er potenzielle Anlagechancen sieht.

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Die meisten Klimawissenschaftler weltweit scheinen sich einig zu sein, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung weitreichend sind und dass diese Entwicklung zu weiten Teilen den Menschen zuzuschreiben ist.1 Zahlreichen wissenschaftlichen Berichten zufolge führt die globale Erwärmung zu einem Anstieg des Meeresspiegels und zum Verlust und Aussterben von Arten. Darüber hinaus trägt sie dazu bei, dass extreme Wetterereignisse immer häufiger auftreten.

Während Wissenschaftler (und Regierungen) weiterhin über potenzielle Lösungen diskutieren, sind wir der Ansicht, dass die wichtigste Kraft für einen Umgang mit der weitläufig erwarteten drohenden Klimakrise die Art und Weise sein könnte, wie wir investieren. Unternehmen können eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, einige dieser weitreichenden, klimabezogenen Probleme in Angriff zu nehmen. Unserer Einschätzung nach sind Unternehmensentscheidungen, die durch den Klimawandel beeinflusst werden, nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch für die Ertragslage.

Im Laufe der Zeit wird es zahlreiche Gewinner und Verlierer geben, und wir sind davon überzeugt, dass tiefgreifende Analysen erforderlich sein werden, um zu unterscheiden, zu welcher Gruppe ein Unternehmen gehört. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es operative Konsequenzen für Unternehmen geben, die den Klimawandel berücksichtigen. Daher wird sich dies auch im Gewinn niederschlagen. Potenziell könnte die Entwicklung die Störung von Lieferketten und eine Veralterung von Produkten (wie z.B. Benzinfahrzeugen) nach sich ziehen. Gleichzeitig besteht jedoch Potenzial für erhebliche Wertsteigerungschancen im Bereich der sauberen Technologie. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Bottom-up-Aktienauswahl sehr gut geeignet ist, um zwischen potenziellen Gewinnern und Verlierern zu unterscheiden.

Während immer mehr Anlegern die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf Anlagen bewusst werden, halten wir weitreichende Veränderungen in der Art und Weise, wie Kapital im weltweiten Wirtschaftskreislauf eingesetzt wird, für wahrscheinlich. Daher sind wir optimistisch, dass sich der Überlebensinstinkt der Menschheit auf zukunftsorientierte Lösungen für den Klimawandel ausrichten könnte.

Alternativen zu CO2

Dem jüngsten Bericht des Zwischenstaatlichen Expertengremiums für Klimaänderungen (IPCC) zufolge könnte die Begrenzung der durchschnittlichen globalen Erwärmung auf einen Anstieg von 1,5℃ über dem vorindustriellen Durchschnitt einen erheblichen Einfluss auf die zukünftige Umwelt haben.

Insbesondere legt der Bericht nahe, dass die Erreichung einer geringeren Erwärmung die Wahrscheinlichkeit einer ganzen Reihe verheerender Folgen des Klimawandels verringern würde.

So wäre beispielsweise der weltweite Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 bei einer globalen Erwärmung von 1,5°C gegenüber 2°C um 10 cm niedriger. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Arktische Ozean im Sommer frei von Meereseis ist, läge bei einer globalen Erwärmung von 1,5°C bei einmal pro Jahrhundert, verglichen mit mindestens einmal pro Jahrzehnt bei 2°C. Die Korallenriffe würden bei einer globalen Erwärmung von 1,5°C um 70 % – 90 % zurückgehen, während sie bei 2°C praktisch vollständig verschwinden würden.2

Die Eindämmung eines Anstiegs der weltweiten Temperaturen erfordert beispiellose Veränderungen in der Einstellung von Ländern und Unternehmen gegenüber der Umwelt, und das beginnt mit einer Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Die folgende Grafik zeigt ein deutliches Beispiel dafür, welche CO2-Reduktion erforderlich ist, um die Ziele der Konferenz der Vertragsparteien COP21 zu erreichen, die globale Erwärmung auf 1,5°C oder 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das Niveau der weltweiten Treibhausgasemissionen muss deutlich niedriger sein als es derzeit ist oder Prognosen zufolge sein wird.

Während immer mehr Unternehmen versuchen, ihre CO2-Emissionen zu senken, könnten einige der von diesen Unternehmen vorgeschlagenen Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels unserer Einschätzung nach einen allgemeinen Umschwung hin zu sauberer Energie bewirken, der dem Anstieg der Treibhausgasemissionen Einhalt gebieten könnte.

Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau neuer und nicht subventionierter Infrastrukturen für erneuerbare Energien in bestimmten Teilen der Welt, beispielsweise in Indien, heute sehr viel billiger. Unseren Recherchen zufolge sind Wind- und Solarenergie inzwischen deutlich günstiger als Strom aus Kohle oder Gas. Ein geeigneter regulatorischer Rahmen und die richtigen finanziellen Anreize waren erforderlich, um diesen Punkt auf einer globalen Entwicklung hin zu sauberer Energie zu erreichen. Unserer Einschätzung nach wird eine aufgeklärte politische Führung für eine Lösung der Klimafrage auch weiterhin von zentraler Bedeutung sein.

Nachhaltige wertorientierte Anlagen werden zum Mainstream

Wir sind der Ansicht, dass Unternehmen, die aktiv versuchen, realistische und wissenschaftlich fundierte Ziele für eine Verringerung des CO2-Ausstoßes zu erreichen, potenzielle Chancen für substanzorientierte Anleger wie uns eröffnen könnten. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die einen Wandel hin zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft vollziehen.

Angesichts unseres Bottom-up-Ansatzes favorisieren wir in der Regel Unternehmen, die sowohl fundamental unterbewertet als auch auf einen weltweiten Übergang hin zu einer kohlenstoffärmeren Zukunft vorbereitet sind, so dass wir Grund zur Annahme haben, dass die ökologische Verantwortung eines Unternehmens mit seiner Finanzkraft korreliert.

Insbesondere bevorzugen wir drei Arten von Unternehmen, die unserer Einschätzung nach Chancen im Hinblick auf sowohl Klimawandel als auch Wertpotenzial bieten:

  • Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels — Hersteller von Solarmodulen und Windkraftanlagen, die saubere und erneuerbare Energie liefern.
  • Unternehmen im Übergang — Energieunternehmen, die ihren Beitrag zur Erderwärmung durch erneuerbare Energiequellen verringern.
  • Für den Übergang gewappnet — Unternehmen mit geringer Kohlenstoffintensität und geringem Engagement in kohlenstoffintensiven Sektoren, wie etwa Einzelhändler, Bio-Pharmaunternehmen und Telekommunikationsanbieter.

Herausforderungen bleiben bestehen

Den größten Beitrag zur Verringerung der Risiken des weltweiten Klimawandels werden unserer Einschätzung nach vor allem traditionelle Unternehmen leisten, die Änderungen an ihrer operativen Tätigkeit, ihren Lieferketten und ihren Produktlebenszyklen vornehmen. Als aktive Manager wenden wir im Rahmen unseres klimaorientierten Anlageprozesses zusätzliche ESG-Analysen (zur Betrachtung der Aspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) an. Allerdings sind wir im Hinblick auf die Herausforderung, die auf uns zukommt, realistisch.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es schwierig sein kann, Klimalösungen in den von Unternehmen bereitgestellten ESG-Angaben zu identifizieren. Einige Berichte enthalten vergangenheitsbezogene Informationen, die mindestens ein Jahr alt sein können und den aktuellen Status eines Unternehmens gegebenenfalls nicht angemessen darstellen. Infolgedessen tappen Anleger im Hinblick auf Chancen bei Unternehmen, die einen Wandel hin zu zukunftsorientierten Lösungen für den Klimawandel vollziehen, womöglich völlig im Dunkeln.

Dank unseres Researchprozesses und zusätzlicher ESG-Anforderungen sind wir in der Lage, die Struktur und Kultur eines Unternehmens genau in Augenschein zu nehmen. Zudem können wir uns im Rahmen unserer Interaktion mit Unternehmen für zukunftsgerichtete ESG-Angaben einsetzen, die den Bedürfnisse der Anleger gerecht werden. Hierdurch lassen sich wiederum potenzielle Chancen bei Unternehmen identifizieren, die sich auf den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Welt vorbereiten.

Mit Blick auf die Zukunft sind wir davon überzeugt, dass nachhaltige Anlagen Unternehmen dazu ermutigen können, den weltweiten CO2-Ausstoß Schritt für Schritt zu reduzieren. Wie schon der verstorbene John F. Kennedy angemahnt hat: „Mit jedem Handeln sind Risiken und Kosten verbunden. Sie sind jedoch weitaus geringer als die langfristigen Risiken bequemer Untätigkeit.“

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Substanzwerte verzeichnen mitunter manchmal nicht die erwarteten Kursanstiege oder verlieren weiter an Wert. Insoweit ein Portfolio sich auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen, Sektoren oder Arten von Anlagen konzentriert, kann es anfälliger für ungünstige Entwicklungen in solchen Schwerpunktbereichen sein als ein Portfolio, das in einem breiteren Spektrum von Ländern, Regionen, Branchen, Sektoren oder Anlageformen investiert. Anlagen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftliche Instabilität und politische Entwicklungen. Bei Anlagen in Schwellenländern sind diese Risiken sogar noch höher.