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Die Größe im Blick: Eine andere Herangehensweise an die Auswahl von ETFs

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Liquiditätsbedenken stehen bei Anlegern oft ganz oben auf der Agenda. Seitdem in Großbritannien ein Immobilienfonds kürzlich mit einem völligen Auszahlungsstopp Schlagzeilen gemacht hat, find das Thema noch mehr Aufmerksamkeit. Jason Xavier, Head of EMEA ETF Capital Markets bei Franklin Templeton Investments, ist jedoch der Ansicht, dass einige Anleger im Hinblick auf die Liquidität börsengehandelter Fonds (ETFs) möglicherweise falsche Größenkriterien ansetzen, da es sich hierbei um ein vollkommen anderes Instrument handelt.

Im Rahmen unserer Gespräche mit Kunden und potenziellen Kunden versuchen wir, so viel Zeit wie möglich damit zu verbringen, mehr über ihre Bedürfnisse, ihre Risikobereitschaft und ihre Erwartungen zu lernen. Natürlich versuchen wir auch, zu erklären, wie unsere Strategien und Lösungen zu ihren Anforderungen passen könnten.

Wenn wir das Thema börsengehandelte Fonds (ETFs) ansprechen, wird schnell deutlich, dass immer noch erhebliche Irrtümer und Missverständnisse über ihre Struktur und die Rolle, die sie übernehmen können, vorherrschen.

Eine andere Sicht auf Größe und Liquidität

Wir hören oft, dass ETFs als die Schnittstelle zwischen einer Aktie und einem Investmentfonds beschrieben werden: eine Sammlung von Vermögenswerten, die wie ein traditioneller Investmentfonds zusammengefasst sind, aber wie eine Aktie an einer Börse gehandelt werden.

Dies ist zwar eine hilfreiche grundlegende Definition, um zu verstehen, wie die Struktur funktioniert, sie kann jedoch bei der Beurteilung eines ETFs auch zu Verwirrung führen – insbesondere bei einer Betrachtung der Größe und Liquidität (bzw. des gehandelten Volumens).

Wir verstehen, warum Compliance-Verantwortliche und bestimmte Risikoabteilungen auf die Größe achten, d.h. auf das vom Fonds verwaltete Vermögen und das Handelsvolumen. Unser Argument ist, dass Anleger ETFs anhand falscher Kennzahlen beurteilen. Sie setzen veraltete Maßstäbe an, die für aktive Investmentfonds angemessen waren, für ETFs jedoch weniger gut geeignet sind.

Im Umgang mit Anlegern haben wir festgestellt, dass viele eine Präferenz für den Kauf größerer Fonds zum Ausdruck bringen. Wenn wir fragen, warum dies der Fall ist, lautet die Antwort häufig: „Wegen der Liquidität.“ Dem liegt die Einschätzung zugrunde, dass größer immer gleich besser ist.  Sprich: ETFs mit höherem durchschnittlichen täglichen Volumen werden als liquider wahrgenommen, da mehr Menschen regelmäßig damit handeln.

Das macht zweifellos Sinn, oder? Anleger wollen in der Lage sein, sich leicht an einem Fonds zu beteiligen und ihre Position dann genauso leicht wieder zu verkaufen, wenn sie es wünschen.  Einige machen sich Sorgen, dass im Fall, dass sie mehr als 50 % des Gesamtvermögens eines ETFs halten, dies dessen Liquidität beeinflussen könnte, da es weniger Gegenparteien gibt, mit denen sie handeln können.

Wir glauben, dass diese Denkweise das Problem widerspiegelt, dass Kunden Screening-Kriterien für Investmentfonds fälschlicherweise auf ETFs anwenden.

Ein ETF mag wie eine Aktie gehandelt werden, letztlich handelt es sich jedoch nur um eine Struktur, die Zugang zu einem Pool von Wertpapieren bietet, und dieser Pool weist eine deutlich tiefere Liquidität auf, als man auf den ersten Blick denken würde. In Wirklichkeit haben ETFs zwei Liquiditätsquellen: den ETF selbst und den zugrundeliegenden Korb von Wertpapieren, auf denen er beruht.

Zwei verschiedene Liquiditätsebenen

Die aktienähnlichen Eigenschaften eines ETFs können bestimmte Missverständnisse verursachen. Es kann jedoch genauso verwirrend sein, einen ETF genauso zu betrachten wie einen traditionellen Investmentfonds.

Aktive Investmentfonds haben in der Regel einen Fondsmanager, der Ermessensspielraum hat, um eine Strategie zu verfolgen. Er hat die Freiheit, diese Strategie umzusetzen, und deshalb weiß ein Anleger in der Regel im Voraus nicht, wie sich diese Strategie manifestieren wird.

Unter diesen Umständen ist es nur allzu verständlich, dass ein potenzieller Anleger vor einer Anlageentscheidung historische Daten aus drei oder mehr Jahren sehen will. Zudem könnte er ein umfangreiches verwaltetes Vermögen (AUM) verlangen, das er als Indikator für weitläufigeres Vertrauen in die Strategie sehen könnte.

Erst kürzlich hatten wir im Vereinigten Königreich einen Fall, bei dem ein aktiv verwalteter Immobilienfonds eine Liquiditätssperre eingeführt hat – Anleger konnten ihr Geld nicht mehr abziehen. Diese Art von beängstigenden Situationen haben auch ETF-Anleger innehalten lassen, und sie glauben, dass auch sie nicht in der Lage sein werden, ihr Geld abzuziehen, wenn sie es benötigen – insbesondere bei einem kleineren ETF.

Allerdings ist es wichtig, zu bedenken, dass ein ETF ein systematisches und regelbasiertes Indexprodukt ist. Letzten Endes erhalten Anleger also ein Engagement nicht in einem einzelnen Produkt, sondern in einem Pool von Wertpapieren.

Anleger haben die Option, ihre ETF-Anteile im Rahmen eines sogenannten Sekundärmarktgeschäfts einem anderen Anleger anzubieten. Aber was, wenn sich kein williger Käufer findet? Genau da macht die Struktur eines ETF den Unterschied: Eine der zentralen Eigenschaften eines ETF ist die Tatsache, dass das Angebot an Anteilen flexibel ist.

Sollte es keine willigen Käufer geben, ist ein ETF-Anleger in der Lage, an befugte Teilnehmer (Authorised Participants/AP) und/oder Market Maker zu verkaufen, deren Aufgabe es ist, einzuspringen und zu handeln – um Liquidität zu bieten. Ihre jeweiligen Aufgaben haben wir in einem früheren Beitrag bereits ausführlich erläutert.

Ein Anleger, der ein Engagement in Aktien mit hoher Marktkapitalisierung wünscht, beschließt beispielsweise, in einen Aktien-ETF zu investieren, dessen zugrunde liegender Index aus großen und weitläufig bekannten Titeln besteht, den sogenannten „Blue Chip“-Aktien. Diese einzelnen Blue Chip-Aktien werden in der Regel jeden Tag in sehr großen Mengen gehandelt, selbst wenn der ETF selbst nicht sonderlich viel handelt. Wenn also der zugrundeliegende Korb liquide ist, lässt sich daraus schließen, dass es keine Probleme beim Handel mit dem ETF geben dürfte, auch wenn der ETF selbst nur einige wenige Aktien oder Anteile pro Tag handelt.

Ein Indikator, der keine Ursache von Illiquidität ist

Wir haben betrachtet, welche Auswirkungen die Liquidität von Basiswerten auf aktienbasierte ETFs hat – wie eine starke Liquidität der zugrundeliegenden Wertpapiere bedeuten sollte, dass der entsprechende ETF über reichlich Liquidität verfügt, selbst wenn er noch recht neu oder klein ist.

Bei Rentenwerten hingegen gibt es eine interessante zusätzliche Nuance. Ein ETF kann hier sogar als Indikator für die Liquidität des zugrundeliegenden Rentenmarkts dienen. Nach der Emission am Primärmarkt werden Aktien an einem Sekundärmarkt gehandelt, d.h. an einer zentralisierten Börse.

Anleihen hingegen werden im sogenannten „Freiverkehr“ gehandelt, d.h. an einem Markt, an dem es zu einem direkten Vertragsabschluss zwischen den jeweiligen Parteien kommt. Da Anleihen nicht an einer zentralisierten Börse gehandelt werden, sind ihre Kurse in der Regel recht intransparent. Infolgedessen benötigt ein Anleger, der sehen will, wie sein herkömmliches Anleihenportfolio aktuell gehandelt wird, recht ausgereifte Daten-Feeds, um die Preise der zugrundeliegenden Wertpapiere zu bestimmen.  Ein Anleihen-ETF überführt diesen intransparenten Markt letzten Endes auf eine zentralisierte Börse, wodurch Live-Kurse in zwei Richtungen fließen.

Kommt es am zugrundeliegenden Markt zu Volatilität, spiegelt sich das natürlich im Spread (d.h. der Differenz zwischen dem Kauf- und dem Verkaufspreis) wider, zu dem der ETF gehandelt wird. Ohne die von ETFs gebotenen Preisinformationen würden Anleger in Rentenwerten es womöglich gar nicht bemerken, wenn am zugrundeliegenden Markt Probleme auftreten.

Auf diese Weise haben ETFs die Preisfindung demokratisiert, ebenso wie die Fähigkeit der Anleger, am zugrundeliegenden Markt zu kaufen und zu verkaufen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es bei der Entscheidung, wie oder wann ein ETF gehandelt werden sollte, mehr zu beachten gibt als nur die Größe, und dass das Konzept der Liquidität mehr verbirgt, als man auf den ersten Blick meinen würde.

 

Die früheren Artikel Jason Xaviers finden Sie hier

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