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Wie die größer werdende Gruppe von Stakeholdern Nachhaltigkeit in den Blickpunkt rückt

Rund um den Globus wird der demografische Wandel der Gesellschaften immer sichtbarer und stellt althergebrachte Annahmen und Thesen infrage. Julie Moret, Head of ESG bei Franklin Templeton, erläutert, warum die Anleger beobachten sollten, wie die Unternehmen einige dieser breiteren Treiber des Wandels steuern und bewältigen.

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Unsere Welt ändert sich immer stärker. Nach Schätzungen wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf 10 Milliarden Menschen anwachsen.[1] 2050 werden in den Städten rund 2,5 Milliarden Menschen mehr leben als heute, und die Stadtbevölkerung wird 68 % der Weltbevölkerung ausmachen.[2]

Darüber hinaus sind wir mit steigenden CO2-Emissionen sowie zunehmender Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung konfrontiert.

Vor diesem Hintergrund dürften sich nach unserer Erfahrung die Anleger-Präferenzen ebenfalls ändern. Eine von uns kürzlich im Vereinigten Königreich durchgeführte Studie bestätigt die Ergebnisse der weltweiten Forschung und zeigt, dass die Generation der Millennials, also die Jahrgänge 1981 bis 1997, nach Investment-Fähigkeiten sucht, durch die sie neben attraktiven finanziellen Renditen eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft erzielen kann.

Demografischer Wandel und Umweltbelastung sind eindeutig umwelt- und gesellschaftspolitische Fragen, doch wir betrachten sie auch aus wirtschaftlicher Sicht. Sie sind potenzielle Treiber des Wandels, die die operative Resilienz von Unternehmen mittel- bis langfristig beeinflussen. Nach unserer Überzeugung macht dies demografische und umweltbezogene Erwägungen für jeden aktiven Anleger aus Risiko-Rendite-Perspektive relevant.

Megatrends, Nachhaltigkeit und ESG

Megatrends, die sich aus diesen wirtschaftlichen Treibern ableiten, gestalten unsere Welt um und verändern unser Verhalten als Verbraucher und Anleger.

Daher müssen Unternehmen umdenken, um ihre Geschäftsmodelle anzupassen und nachhaltig zu machen. Viele Unternehmen versuchen, technologische Fortschritte auszunutzen, um ihre operative Effizienz zu erhalten und weiterhin nachhaltiges Wachstum und Gewinne zu erwirtschaften.

Das Wachstum der Weltbevölkerung und die Urbanisierung beispielsweise steigern die Nachfrage nach Energie, Lebensmitteln und Wasser. Nach Schätzungen werden Energieverbrauch und Lebensmittelproduktion bis 2030 weltweit um 50 % steigen, und der Wasserverbrauch in demselben Zeitraum um 30 %.[3]

Dieser erwartete Nachfrageanstieg stellt Unternehmen vor komplexe Herausforderungen, denn sie müssen auf globaler Ebene um endliche Ressourcen wetteifern. Als Folge beobachten wir einen stärkeren Fokus auf effizienter Ressourcennutzung. Dies umfasst auch neue Ansätze in der Abfallbewirtschaftung, von denen nach unserer Überzeugung Unternehmen im Bereich Kreislaufwirtschaft profitieren könnten.

Nach unserer Überzeugung ist Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung, um die Folgen und Möglichkeiten dieses weiterentwickelten Denkens zu verstehen.

Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, eine objektive Sichtweise darüber einzunehmen, wie sich Gesellschaft, Verbraucher und Anleger in ihrem Verhalten unterscheiden und wie die Kunden diese Treiber des Wandels steuern. Nachhaltigkeitserwägungen sollen für Problembereiche und künftige potenzielle Wachstumstreiber sensibilisieren.

Nach unserer Auffassung setzt eine solide Corporate-Governance-Basis die Leitplanken für die Lenkung und Führung eines Unternehmens. Ein gut geführtes Unternehmen besitzt in aller Regel auch eine robuste Steuerung seiner umweltbezogenen und sozialen Wirkung. Dies betrifft auch sein Humankapital.

Die Analyse und die Kennzahlen im Bereich Umwelt, Soziales und Governance (ESG) können ein Maß für Nachhaltigkeit und einen Hinweis darauf geben, wie Unternehmen mit längerfristigen strategischen Risiken umgehen.

Stärkerer Fokus auf breiterer Gruppe von Interessenträgern

All diese Komponenten beleuchten den zunehmenden Druck für Unternehmen, denn sie müssen neben den lediglich an Profitmaximierung interessierten Aktionären eine größere Gruppe von Interessenträgern steuern.

Die Unternehmen müssen sorgfältig abwägen, wie sie die breiteren Beziehungen zu den Interessenträgern, einschließlich der Beziehungen zu Verbrauchern, Mitarbeitern, Lieferanten und lokalen Gemeinschaften, behandeln. Diese Beziehungen sind letztlich maßgeblich für die gesellschaftliche Akzeptanz eines Unternehmens und seiner Tätigkeit.

In einer zunehmend global organisierten Lieferkette liegt der Fokus stärker auf dem Umgang mit Lieferanten, insbesondere in den Schwellenländern, wo schwache Governance und Unternehmensführung zu Wertvernichtung in Form eines Reputationsrisikos oder von Geldbußen führen kann.

Diese Verlagerung des Fokus zur Erfassung einer breiteren Gruppe von Interessenträgern wird immer offensichtlicher.

Der UK Stewardship Code erweiterte kürzlich die Definition von Stewardship auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.

Die neue Definition lautet: „Stewardship ist die verantwortliche Verwendung, Verwaltung und Überwachung von Kapital zur Schaffung eines langfristigen Werts für Kunden und Berechtigte mit dem Ziel nachhaltiger Vorteile für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.“

Im August dieses Jahres veröffentlichte auch der Business Roundtable, eine einflussreiche Gruppe von 181 CEOs in den USA, eine neue Erklärung, in der der Zweck der Vereinigung neu definiert wurde, um den Bedürfnissen aller Interessenträger gerecht zu werden.

ESG-Instrumentenset zum besseren Verständnis immaterieller Vermögenswerte

Unserer Analyse zufolge machen in diesem sich ändernden Umfeld immaterielle Vermögenswerte wie z. B. Reputation, Markentreue und geistiges Kapital mittlerweile einen größeren Teil an den Bewertungen der Unternehmen aus.

Nach einem Bericht von Ocean Tomo, einem Spezialisten für die Bewertung geistigen Eigentums, machten immaterielle Vermögenswerte 2015 mehr als 80 % des Marktwertes des S&P 500 Index aus. 1975 waren es nur 17 %.[1]

Immaterielle Vermögenswerte sind Treiber der Unternehmensbewertungen, die in Bilanzen oder Kennzahlen der Rechnungslegung nicht zwangsläufig erfasst werden. Sie werden für das Verständnis des inneren (intrinsischen) Werts immer wichtiger.

Nach unserer Überzeugung können finanziell relevante ESG-Informationen einen besseren Einblick darin gewähren, wie Unternehmen viele dieser Themen handhaben.

Nach unserer Auffassung muss hinterfragt werden, ob die heutigen Bewertungsmodelle, die auf kapitalintensive Unternehmen ausgerichtet sind, gegenwärtig die latenten Risiken rund um das immaterielle Vermögen erfassen.

Nach unserer Überzeugung gibt es gute Argumente, dass ESG-Informationen neben der traditionellen Finanzanalyse von Unternehmen nützlich sein können, um eine ganzheitlichere Sicht auf den langfristigen intrinsischen Wert zu erhalten.

Wichtige rechtliche Hinweise

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die die Wertpapiermärkte stützen würden, entstehen.

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[1] Quelle: Vereinte Nationen, World Population Prospects 2019, August 2019.

[2] Quelle: Vereinte Nationen, 2018 Revision of World Urbanization Prospects, Mai 2018.

[3] Quellen: britisches Schatzamt, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Internationale Energieagentur, International Food Policy Research Institute, BofA Merrill Lynch Global Research. Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Vorhersagen, Schätzungen oder Prognosen als richtig erweisen.

[4] Quelle: Ocean Tomo, Intangible Asset Market Value Study, 2015. Der S&P 500 Index bildet die Wertentwicklung von 500 US-Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung nach. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.