Beyond Bulls & Bears

Aktien

Allokationseinschätzungen: Ein flexibler Ansatz für 2020

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Französisch Italienisch

Auch wenn das Nachlassen der Handelsspannungen zwischen den USA und China die Zuversicht der Anleger wieder stärkt, sehen Ed Perks und Gene Podkaminer von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions weiterhin die Möglichkeit geopolitischer Gefahren am Horizont. In der aktuellen Ausgabe der Allokationseinschätzungen „Allocation Views“ schildern sie ihre Bedenken und erläutern, warum sie weiterhin davon überzeugt sind, dass eine geschickte Anlageverwaltung gefragt ist, um die Herausforderungen zu meistern, die sich im kommenden Jahr stellen.

Stabilisierung bei erhöhter Unsicherheit

Das neue Jahr begann mit einem durch die Spannungen im Nahen Osten verursachten Volatilitätsschub. Die Tötung von General Qassem Soleimani, dem Führer der iranischen Revolutionsgarden, durch das US-Militär machte Schlagzeilen und bewegte die Märkte über mehrere Tage. Durch die zurückhaltende Reaktion des Iran, die die mancherorts befürchtete Eskalation verhinderte, konnte die erste Phase der Krise rasch überwunden werden.

Der Rohölpreis kehrte auf sein Niveau vor dem ersten Angriff am 3. Januar zurück. Dies dürfte die Auswirkungen auf die Wirtschaftsaktivität begrenzen. Die globalen Aktienindizes ignorierten die Ereignisse und strebten neuen Allzeithochs entgegen. Insgesamt hat es den Anschein, dass die Anleger hinsichtlich des Pfades des globalen Wirtschaftswachstums weiterhin zuversichtlich sind, und die nachlassenden Handelsspannungen zwischen den USA und China stützen dies.

Die wirtschaftliche Stabilisierung vollzieht sich offenbar in einem Umfeld mit Stützungseffekten durch die lockere Geldpolitik in den Industrie- und Schwellenländern. Obwohl sich unsere firmeneigenen Indikatoren für das Wachstumsmomentum vor kurzem wieder einpendelten, sehen wir dennoch keine Belege für eine deutliche Erholung der Aktivität und keine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Regierungen fiskalische Maßnahmen ergreifen, die eine derartige Bewegung stützen würden.

Viele der Bedenken, die wir im vergangenen Jahr in unseren Allokationseinschätzungen erörterten, bestehen weiterhin. Die Unternehmensinvestitionen werden durch das Vertrauen und das Fehlen einer umfassenden Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China belastet. Volkswirtschaften wie Deutschland, die stärker auf das weiterhin in einer Rezession steckende verarbeitende Gewerbe ausgerichtet sind, sind anfällig für Entlassungen, die der breiteren Wirtschaft schaden. Geopolitische Brennpunkte wie etwa Nordkorea sowie die ungelösten Probleme im Nahen Osten könnten wieder aufflammen.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass das globale Wachstum und die gemäßigte Inflation sich langfristig fortsetzen werden. Angesichts relativ weniger Ungleichgewichte sind extreme Schwankungen der weltweiten Wirtschaftsleistung unwahrscheinlich. Bei einer Abwägung der oben genannten Risiken konzentrieren wir uns jedoch auf die Möglichkeit, dass die Risiken 2020 abwärts gerichtet bleiben. Die jüngste Entwicklung am Aktienmarkt wurde ohne entsprechende Steigerung der Gewinne erzielt, und die Bewertungskennzahlen sind überdehnt. Wir sind weiterhin optimistisch, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den großen Volkswirtschaften moderat ist. Dennoch ist eine enttäuschende Phase nach wie vor möglich. Unser dominierendes Anlagethema bleibt grundsätzlich unverändert und lautet: „Weltweites Wachstum bleibt ein Thema.“

Moderate Inflationserwartungen

Die Inflationsentwicklung war in jüngster Vergangenheit weniger dramatisch als jede andere Komponente unseres Investmentansatzes. Fehlende Inflationssorgen waren jedoch eine notwendige Voraussetzung für das stützende Umfeld, das die Zentralbanken den Anlagemärkten bereiten konnten. Dies ist wohl auch einer der Hauptgründe für die Langlebigkeit der aktuellen wirtschaftlichen Expansion.

Obwohl wir uns in den letzten Phasen des Konjunkturzyklus befinden, ist in den meisten Volkswirtschaften lediglich ein begrenzter Anstieg der Lohninflation zu beobachten. In den USA sank das Wachstum der durchschnittlichen Stundenlöhne von den leicht höheren Niveaus Ende 2018.

In den Industrieländern bleiben die Fundamentaldaten der Unternehmen relativ robust, aber die Möglichkeiten, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, erscheinen ebenso begrenzt wie die Bereitschaft, die Löhne weiter zu erhöhen.

Marktbasierte Kennzahlen zu Inflationserwartungen, die aus nominalen und realen Anleiherenditen abgeleitet werden, bleiben niedrig. Diese sogenannten „Break-even“-Inflationsraten (bei denen die Renditeaussichten für Anleihen mit nominalen und realen Renditen gleich sind) reagieren unmittelbar auf die Gesamtinflation und einen Anstieg der Rohstoffpreise.

Bei genauerer Betrachtung steht auch das Niveau der „Break-even“-Inflation eines in fünf Jahren beginnenden Fünfjahreszeitraums (sog. „5-Year/5-Year Forward Rate“) weiter unter Druck. Dies spiegelt eventuell zum Großteil einen Rückgang der Risikoprämie für Inflationsunsicherheit wider, weil die Renditen auf Staatsanleihen gesunken sind.

Derzeit sehen wir Nachfrageschwankungen als wesentlichen Einflussfaktor für die Inflation. Daher dürfte die bereits zu beobachtende Abkühlung des weltweiten Wachstums die Inflation 2020 begrenzen. Dieser Effekt hatte unter anderem in Schwellenländern weitreichende Auswirkungen und verstärkte unser Anlagethema, das eine „länderübergreifend niedrige Inflation“ wahrnimmt.

„Flexibel sein“ lautet weiterhin das Motto

Als wir die Ereignisse im Nahen Osten mit unseren leitenden Experten für die einzelnen Anlageklassen und mit Kollegen aus der Region erörterten, gingen die Meinungen weit auseinander. Allgemein lässt sich sagen, dass unsere Aktienteams beim Ausblick eher optimistisch waren, während die Anleihenteams die Möglichkeit höherer Risikoprämien an den globalen Märkten sahen. Generell sind wir aus der Perspektive von Multi-Asset Solutions auf die Möglichkeit fokussiert, dass die Enden der Verteilung möglicher Marktergebnisse (an den negativsten und den positivsten Enden des Spektrums) „ein wenig fetter“ werden, und betonen, wie wichtig der Schutz vor Abwärtsrisiken ist, falls die Ereignisse nicht den von uns allen erhofften, wahrscheinlicheren günstigen Verlauf nehmen.

Nachdem wir im vorigen Quartal unsere vorsichtige Haltung zu Risikoanlagen reduziert hatten, bleiben wir bei einer etwas geringeren Überzeugung in Bezug auf globale Aktien. Unsere Sichtweise zeigt das Gleichgewicht zwischen längerfristig attraktiven Aspekten und solchen, die Grund zur Sorge um die Bewertungen liefern. Wir sind jedoch nicht übermäßig pessimistisch.

In einem Multi-Asset-Portfolio können wir nach Anlagen suchen, die Diversifizierungspotenzial bieten. Traditionell erfüllen Anleihen diesen Zweck. Sie sind aus unserer Sicht jedoch auch teuer. Aufgrund der niedrigen Laufzeitprämien und Rendite-Differenzen bei Unternehmensemissionen mit Investment Grade scheinen globale Anleihen – insbesondere qualitativ hochwertige Schuldtitel und Emissionen mit langer Laufzeit – gefährdet. In unserer neutralen Gesamtbetrachtung der Anlageklasse wird dies jedoch durch ein moderates Wachstum und eine niedrige Inflation ausgeglichen.

Die Präferenz der Anleger für Anlagen mit längerer Laufzeit, vielleicht wegen der Suche nach Diversifizierung, verursachte 2019 die Inversion der Renditekurve. Dies gilt häufig als schlechtes wirtschaftliches Signal, d. h. als Hinweis, dass die Aussicht auf eine Rezession in einem oder zwei Jahren gestiegen ist. Dieses Risiko sorgt uns nicht übermäßig, und viele Anleger nennen Gründe, warum es „dieses Mal ganz anders“ sein könnte. Entscheidend dürfte jedoch die Reaktion der Zentralbanken werden.

Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), deutete an, dass die Schwelle für weitere Zinssenkungen höher gesetzt worden sei. Diejenige für Zinsanhebungen sei jedoch noch höher. Die Zentralbanken der Industrieländer zeigen generell weiterhin eine Asymmetrie in ihrer Geldpolitik. Dies ist Ausdruck der allgemeinen Sorge, dass die Inflation unter ihren Zielwerten bleibt, und der Befürchtung, dass die Inflationserwartungen den Halt verlieren könnten. Dies ist zumindest teilweise der Grund für die relative Ruhe an den Finanzmärkten trotz der Eskalation der geopolitischen Spannungen und findet in unserem letzten Thema „Lockere Haltung in der Geldpolitik“ ihren Niederschlag.

Diese Haltung gegenüber Zinssenkungen trotz des bereits sehr niedrigen Niveaus spricht derzeit für ein relativ ausgewogenes Portfolio aus Aktien und Anleihen. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass geschicktes Management gefragt ist, um die Herausforderungen zu meistern, die sich im kommenden Jahr stellen.

 

Um Analysen von Franklin Templeton als E-Mail zu erhalten, abonnieren Sie den Blog Beyond Bulls & Bears.

 Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter @FTI_Global und auf LinkedIn.

 Wichtige rechtliche Hinweise

Diese Unterlagen sollen ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen sind die des Anlageverwalters, und Kommentare, Meinungen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Kapitalsumme.

Bei der Erstellung dieses Materials wurden möglicherweise Daten von Dritten genutzt. Franklin Templeton Investments („FTI“) hat diese Daten nicht unabhängig begutachtet, validiert und überprüft. FTI haftet für keinerlei Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Es liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers, auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Material zu vertrauen.

Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in allen Ländern verfügbar und werden außerhalb der USA von verbundenen Unternehmen von FTI und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren professionellen Berater oder an Ihre Kontaktperson für institutionelle Anleger bei Franklin Templeton.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann sowohl steigen als auch fallen, und Anleger erhalten den investierten Betrag unter Umständen nicht vollständig zurück. Die Positionierung eines bestimmten Portfolios kann aufgrund verschiedener Faktoren von den hier dargelegten Informationen abweichen, so z. B. aufgrund der Allokationen aus dem Kernportfolio und spezifischer Anlageziele, Richtlinien, Strategien und Beschränkungen eines Portfolios. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Prognosen, Projektionen oder Schätzungen als richtig erweisen. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Die Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Anlageportfolio den steigenden Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Die Anlage im Ausland ist mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die die Wertpapiermärkte stützen würden, entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Derivate, einschließlich Strategien zum Währungsmanagement, sind mit Kosten verbunden und können in einem Portfolio eine wirtschaftliche Hebelkraft entfalten, was erhebliche Volatilität verursachen und dazu führen kann, dass das Portfolio stärker an Verlusten teilhat (oder auch höhere Gewinne erzielt), als das mit der ursprünglichen Investition der Fall wäre. Wenn ein Kontrahent nicht die zugesicherte Leistung erbringt, verfehlt eine Strategie unter Umständen den erwarteten Nutzen oder realisiert Verluste. Währungskurse können innerhalb kurzer Zeiträume stark schwanken und die Erträge verringern. Anlagen im Rohstoffsektor bergen spezifische Risiken, unter anderem weil sie stärker auf widrige, den Sektor betreffende wirtschaftliche und regulatorische Entwicklungen reagieren. Die Preise solcher Wertpapiere können deshalb vor allem kurzfristig schwanken.