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Großbritannien hat die EU verlassen. Was passiert nach dem Brexit?

Vor dreieinhalb Jahren stimmte das Vereinigte Königreich für den Austritt aus der Europäischen Union, und der sog. „Brexit“-Prozess verlief seitdem alles andere als reibungslos. Der Austrittstermin liegt nun hinter uns, doch was erwartet das Vereinigte Königreich und Europa als nächstes? Laut unserem Head of European Fixed Income David Zahn gibt es kein Zurück mehr, und es sind immer noch einige Steine aus dem Weg zu räumen, einschließlich der äußerst wichtigen Handelsabkommen.

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Vor dreieinhalb Jahren stimmte das Vereinigte Königreich für den Austritt aus der Europäischen Union, und der sog. „Brexit“-Prozess verlief seitdem alles andere als reibungslos. Der Austrittstermin liegt nun hinter uns, doch was erwartet das Vereinigte Königreich und Europa als nächstes? Laut unserem Head of European Fixed Income David Zahn gibt es kein Zurück mehr, und es sind immer noch einige Steine aus dem Weg zu räumen, einschließlich der äußerst wichtigen Handelsabkommen.

Am 23. Juni 2016 wurde den Bürgern im Vereinigten Königreich eine schwerwiegende Entscheidung zur Abstimmung gestellt: der Verbleib in der Europäischen Union (EU) oder der Austritt. Das Ergebnis für den Austritt fiel knapp aus, und der sog. „Brexit“-Prozess ist seitdem mit Streitereien, Unsicherheit und vielen Verzögerungen belastet.

Doch nun ist die Brexit-Frist abgelaufen, und es gibt kein Zurück mehr. Mit dem offiziellen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU fragen sich viele Anleihenanleger, was beide Regionen als nächstes erwartet und was dies für ihre Portfolios bedeuten könnte.

Handelsgespräche: viel Arbeit und nur wenig Zeit 

Die Handelsgespräche dürften wohl das wichtigste Puzzleteil sein. Die EU hat innerhalb ihrer 28 Mitgliedstaaten den ungehinderten Personen- und Warenverkehr eingeführt. Nun müssen die verbleibenden 27 Staaten und das Europäische Parlament überlegen, wie es beim Waren- und Dienstleistungsverkehr mit dem Vereinigten Königreich weitergeht.

Anfangs wurde für den schlimmsten Fall eine Sperrung der Grenzen befürchtet, die den Warenverkehr aus dem Vereinigten Königreich und hinein verhindert und möglicherweise eine massive Abwanderung multinationaler Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich in andere Länder ausgelöst hätte. Auch wenn es leichte Kopfschmerzen gab, haben sich die schlimmsten Ängste weitgehend nicht bewahrheitet.

Einige britische Unternehmen verließen das Land, und während des gesamten Brexit-Prozesses war das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern unter Druck. Einige inländische Unternehmen profitieren jedoch auch vom schwächeren britischen Pfund, da die Ausfuhren für Käufer im Ausland günstiger werden.

Das mit der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen fordert den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Zollunion. Dennoch wird Nordirland weiterhin viele EU-Regeln befolgen und durchsetzen. Dies sorgt für potenzielle Hürden an der Grenze oder mitten in der Irischen See.

Und das ist nur ein lokales Grenzproblem. Das Vereinigte Königreich wird sich bis 31. Dezember 2020 in einer Übergangsphase befinden, um neue Handelsbeziehungen mit anderen Ländern auszuarbeiten. Bis dahin wird es die EU-Regeln und bestehende Handelsbeziehungen beachten. Mit unserer Auffassung, dass ein Zeitraum von 11 Monaten für eine derart monumentale Aufgabe sehr knapp bemessen ist, sind wir nicht alleine. Manche Länder brauchen mehr als 10 Jahre, um Handelsabkommen zu schließen.

Daher ist in diesem Jahr rund um den Handel mit viel Getöse zu rechnen, doch Premierminister Boris Johnson scheint die Handelsgespräche lieber früher als später angehen zu wollen.

Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass das Vereinigte Königreich am Jahresende ohne Handelsabkommen austreten könnte, doch dies würde ein systemisches Ereignis darstellen, das eine Verletzung der Regeln der Welthandelsorganisation bewirken könnte. Das Vereinigte Königreich könnte bei der EU um eine Verlängerung ersuchen, doch dies müsste bis Juni oder Juli geschehen.

Eine fehlende Einigung auf ein Handelsabkommen würde den europäischen Handel aufgrund des hohen Überschusses mit dem Vereinigten Königreich schwer treffen. Letztlich sind wir jedoch zuversichtlich, dass das Vereinigte Königreich und die EU ein Abkommen zustande bringen.

Haushalts- und geldpolitische Aspekte

Neben den Handelsabkommen gilt unser Augenmerk auch dem britischen Haushalt, der am 11. März vorgestellt wird. Dies ist wichtig, weil Johnson dann seine politischen Leitlinien für die Legislaturperiode und möglicherweise darüber hinaus erläutert.

Wir werden die Versuche der Regierung, einen Teil des Wirtschaftswachstums aufzuholen, das in der anhaltenden Brexit-Unsicherheit verloren ging, genau beobachten. Nach unserer Einschätzung dürfte der Staat vermehrt im Norden Englands, einer Hochburg von Johnson, und in Schottland und Wales investieren. Die staatlichen Ausgaben dürften sich auf die Nachfrage nach Gilts auswirken, denn das Vereinigte Königreich wird zur Finanzierung Schulden aufnehmen.

In der Geldpolitik wird es am 15. März mit Andrew Bailey einen neuen Governor an der Spitze der Bank of England (BoE) geben. Es ist jedoch nicht absehbar, ob er ein Falke oder eine Taube ist. Die BoE könnte bei der Vorstellung des Haushalts im März Handlungsspielraum haben, um die Zinssätze unverändert zu lassen, falls er eine große Ausgabensteigerung vorsieht. Doch es gibt nach wie vor einige Unwägbarkeiten. Daher dürfte die BoE nach unserer Überzeugung etwas akkommodierend bleiben.

Mit geld- und haushaltspolitischer Unterstützung sollte die britische Wirtschaft die Übergangsphase nach dem Brexit überstehen können.

Auf dem Kontinent wird die Europäische Zentralbank (EZB) wohl unglaublich akkommodierend bleiben, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen, breit angelegten Überprüfung ihrer Politik. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte eine Überprüfung der gesamten Organisation an, einschließlich dessen, wie sie das Inflationsziel setzt, das Wachstum misst, den Klimawandel in ihre Politik einbindet und mit der Öffentlichkeit kommuniziert usw.

Der Markt gewöhnt sich noch an Lagarde und ihre Art der Kommunikation. Es war richtig von ihr, bei ihrer ersten Konferenz keinen Staub aufzuwirbeln. Daher dürften die Zinssätze vorerst auf ihrem jetzigen Niveau bleiben. Die EZB wird ihre quantitative Lockerung wohl auf absehbare Zeit fortsetzen, jedoch vermutlich auch nach weiteren Hebeln zur Ankurbelung der Konjunktur suchen.

Folgen für Anleger

Wie erwähnt wird mancher Anleger erneut Gilts als Absicherung gegen einen harten Brexit einsetzen, sofern mit der EU bis Jahresende kein Handelsabkommen zustande kommt. Auch das Pfund wird im Fokus bleiben, denn die nachlassende Unsicherheit dürfte der Währung einen Teil ihrer alten Stärke zurückbringen.

Im Hinblick auf britische Unternehmensanleihen, die nach unserem Dafürhalten im weltweiten Vergleich relativ günstig sind, dürfte die Unsicherheit ebenfalls geringer werden. Daher rechnen wir hier im kommenden Jahr mit einer ordentlichen Wertentwicklung.

Sobald für das Vereinigte Königreich keine Übergangsregelung mehr gilt, hat es im Grunde genommen mit niemandem Handelsabkommen. Die Commonwealth-Staaten dürften aufgrund der bereits bestehenden Beziehungen zum Vereinigten Königreich die ersten Kandidaten für neue Handelsabkommen sein. Aber es gibt eine Menge zu tun, und wir erwarten, dass die Regierung alles reinhängen und angriffslustig sein wird. Dies dürfte Chancen für die Anleger und insbesondere für aktive Manager schaffen.

Viele Dinge sind umzusetzen, und die Reise dürfte nicht ohne Rückschläge verlaufen.

Wie erwähnt sind die Risiken nun vornehmlich mit Fragen rund um den Handel im Vereinigten Königreich sowie Europa insgesamt verknüpft. Doch wird sich US-Präsident Trump nach seinem „Phase 1“-Abkommen mit China jetzt Europa zuwenden?

Überdies könnten die US-Präsidentschaftswahlen im November Auswirkungen auf die europäischen Anleihenmärkte haben. Sobald der Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten feststeht, werden wir sehen, wie sich die Dinge hinsichtlich der möglichen Fiskalpolitik entwickeln.

Insgesamt dürfte die Verringerung der in den vergangenen Jahren zu beobachtenden Unsicherheit rund um den Brexit das Vertrauen der Anleger stützen. Das Wachstum im Vereinigten Königreich und Europa könnte sich aufgrund der akkommodierenden Fiskal- und Steuerpolitik leicht verbessern, ist aber dennoch langsam. Die Renditen europäischer Anleihen werden 2020 auf niedrigem Niveau verharren, und britische Gilts dürften sich schlechter entwickeln als europäische Anleihen.

Das Vereinigte Königreich ist nun offiziell aus der EU ausgetreten. Doch dies ist erst das Ende des Anfangs. Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an.

 

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