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Umgang mit der vom Coronavirus verursachten Marktvolatilität: Aktuelle Einschätzungen aus Multi-Asset-Perspektive

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Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Marktvolatilität in den letzten Wochen erhöht. Das Team bei Franklin Templeton Multi-Asset Solutions konzentriert sich jedoch weiterhin auf die langfristigen Fundamentaldaten des Marktes. In diesem Beitrag erläutern Ed Perks und Gene Podkaminer, wie sie an die Situation herangehen und welche Länder besser gegenüber Wachstumsschocks abgeschottet sein dürften.

podcast mit  Gene Podkaminer (englisch) :

Wir beginnen damit, die wichtigste Schlussfolgerung unseres letzten Kommentars zu diesem Thema erneut zu betonen: Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, diversifizierte Portfolios zu wahren – insbesondere in Zeiten erhöhter Unsicherheit unter Anlegern. Dieser Ansatz hat sich während der letzten Wochen als günstig erwiesen, da die Volatilität an den Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten zugenommen hat.[1]

Wir folgen auch weiterhin einem Prozess, der der Versuchung widersteht, den Handel auf die neuesten Schlagzeilen und Emotionen auszurichten. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, wie die Entwicklung des makroökonomischen Umfelds die Fundamentaldaten des Marktes beeinflusst und passen unsere Einschätzungen zur Vermögensallokation entsprechend an. Unsere Vermögensallokationsstrategie konzentriert sich auf Regionen, die stärker gegenüber dem Wachstumsschock abgeschottet sind und über ausreichende politische Flexibilität verfügen, um angemessen zu reagieren. Sowohl die USA als auch das Vereinigte Königreich passen auf diese Beschreibung, während sich die Eurozone in einer weniger günstigen Position befindet.

Auf breiterer Ebene dämpft das breite Spektrum an Ungewissheiten – sowohl hinsichtlich medizinischer Fragen als auch in Bezug auf den Markt – unseren Enthusiasmus, unsere Beteiligungen an Aktien und anderen riskanteren Anlagen zu diesem Zeitpunkt aufzustocken. Wenn wir jedoch das kommende Jahr betrachten, sehen wir bei globalen Aktien nach wie vor attraktives Renditepotenzial.

Überprüfung unserer ursprünglichen Prämisse

Anfänglich waren wir davon ausgegangen, dass sich das Coronavirus mit den folgenden Ausprägungen auf das Wirtschaftswachstum auswirken würde:

  1. Geografisch: Auf China und Asien konzentriert
  2. Dauer: Ein kurzer, plötzlicher Schock, der sich am stärksten im ersten Quartal 2020 bemerkbar machen würde
  3. Reaktion: Je stärker die Auswirkungen auf das Wachstum, desto umfangreicher die entsprechenden politischen Gegenmaßnahmen

 

Wir behalten die Situation genau im Blick, um zu prüfen, ob diese Einschätzungen durch die neuesten Daten gestützt werden. Angesichts der jüngsten Entwicklungen haben wir nachfolgend unsere aktualisierten Einschätzungen zusammengestellt.

Update: Geografische Auswirkungen

Es besteht kaum Zweifel, dass sich die chinesische Wirtschaftstätigkeit im ersten Quartal 2020 abgekühlt hat. Die Frage ist nun jedoch: wie stark? Eine Vielzahl täglicher Indikatoren für die Produktion wie z. B. das Passagieraufkommen oder der tägliche Verbrauch von Kraftwerkskohle, signalisieren eine sehr geringe Erholung der Aktivität. Umfragen zur Zuversicht der Unternehmen, welche das Aktivitätsniveau im Februar widerspiegeln, bestätigen den Wachstumsabschwung in China ebenfalls.

Außerhalb Chinas stellen wir fest, dass sich die Abkühlung der Tätigkeit auf benachbarte Länder auswirkt, wie die nachfolgende Abbildung zeigt (die neuesten Datenpunkte zeigen die Aktivität im Februar).

Es macht zwar durchaus Sinn, dass Asien am stärksten betroffen ist, es gibt jedoch weitere Sektoren, die gegenüber einem Wachstumsschock in Asien abgeschottet sein sollten, beispielsweise die Verbraucher- und Arbeitsmärkte der Industrieländer. Wir beobachten die jüngsten Umfragen zur Stimmung, um zu verstehen, wie sich die Zuversicht der Verbraucher vor dem Hintergrund der Veränderungen des globalen makroökonomischen Umfelds entwickelt. Zum 25. Februar sehen wir nur begrenzte Auswirkungen auf das Verbrauchervertrauen in Industrieländern außerhalb Asiens (siehe nachfolgende Abbildung).

Darüber hinaus können wir breitere Indikatoren zum Dienstleistungssektor in den USA und der Eurozone beobachten. Hier sehen wir zusätzliche Belege für durchwachsene Daten: Der US Markit Purchasing Managers Index (PMI) ist stark eingebrochen, während der PMI für den Dienstleistungssektor der Eurozone gegenüber dem Vormonat aufwärts tendiert (beide spiegeln jeweils die Aktivität im Februar wider).[2] Siehe nachfolgende Abbildung.

Der nachfolgende Datenfluss könnte im Vormonatsvergleich zwar erhebliche Schwankungen aufweisen und häufig ein wenig zufriedenstellendes Ergebnis liefern, was uns jedoch aufgefallen ist, ist die Divergenz zwischen diesen beiden Wirtschaftsräumen, allen voran der US-Dienstleistungssektor. Der US-amerikanische Verbraucher- und Dienstleistungssektor wäre anfällig, sollte sich das Virus in den USA stärker ausbreiten. Wir würden eine höhere Belastbarkeit dieser beiden Sektoren erwarten, sofern bzw. solange dies nicht der Fall ist, und wir werden die Entwicklung weiterhin genau im Auge behalten.

Update: Dauer der Auswirkungen

Anfänglich waren wir davon ausgegangen, dass die Auswirkungen des Coronavirus von kurzer Dauer sein würden, da die politischen Entscheidungsträger in China umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in Hubei eingeleitet hatten. Seitdem hat sich die Zahl der in China gemeldeten Fälle zwar verlangsamt, das Coronavirus hat sich jedoch auf zahlreiche Länder weltweit ausgebreitet. Cluster des Virus sind in Südkorea, Italien und dem Iran aufgetaucht.  Zum 26. Februar hatte die Weltgesundheitsorganisation mehr neue Fälle außerhalb Chinas (459) als innerhalb Chinas (412) gemeldet.[3] Die Anzahl der betroffenen Länder ist auf 37 angewachsen.[4]

Die Eindämmung des Virus gestaltet sich schwierig, da die Symptome mild sein und denen der normalen saisonalen Grippe ähneln können.  Es besteht zwar nach wie vor die Möglichkeit, dass China eine fortgesetzte Verringerung der Anzahl neuer Fälle verzeichnet, die Frage ist jedoch weiterhin offen, da viele Arbeiter nach einer längeren Pause wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und beginnen, ihre normale Tätigkeit wieder aufzunehmen. Dies wird die Eindämmung noch schwieriger machen. Auf globaler Ebene erscheint es wahrscheinlich, dass sich weitere Cluster herausbilden werden. Letzten Endes bedeutet dies, dass die Dauer der Auswirkungen wahrscheinlich länger sein wird als zuvor angenommen.

Update: Reaktion auf die Auswirkungen

Wir waren stets davon ausgegangen, dass den Auswirkungen auf das Wachstum proportionale politische Gegenmaßnahmen entgegengebracht werden würden. Bislang haben wir zahlreiche politische Reaktionen weltweit beobachten können, und unsere anfängliche Einschätzung hat sich somit bis dato bestätigt. Zu den beachtlichen Gegenmaßnahmen zählen unter anderem (Stand: 26. Februar 2020):

  • Hongkong hat Anreizmaßnahmen angekündigt, die ca. 4,3 % des aktuellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen. [5]
  • Die Emissionsquote für chinesische Kommunalanleihen beläuft sich für das Kalenderjahr 2020 nun auf 268 Mrd. USD (1,7 % des BIP), wovon ein Großteil in der ersten Jahreshälfte begeben werden soll.[6]
  • Die People’s Bank of China hat die Zinssätze auf ihre 7- und 14-tägigen umgekehrten Pensionsgeschäfte um 0,10 % gesenkt.
  • Am 9. Februar meldete das chinesische Finanzministerium, dass ein Betrag von 72 Mrd. RMB (10,26 Mrd. USD) für die am härtesten getroffenen Gebiete vorgesehen ist.

Mit Blick auf die Zukunft sollten sinkende Ölpreise und das geringe Inflationsniveau es den Zentralbanken weltweit ermöglichen, ihre konjunkturförderliche Geldpolitik beizubehalten oder auszuweiten. Wir beobachten bereits, dass dies in die Markterwartungen bezüglich der Leitzinsen eingepreist wird.

Zu guter Letzt wollen wir noch berücksichtigen, wie die politischen Entscheidungsträger auf das Virus selbst reagieren werden. Die typische Gegenmaßnahme hat darin bestanden, symptomatische Personen unter Quarantäne zu stellen, um eine weitere Übertragung des Virus zu verhindern. Darüber hinaus werden zusätzliche Maßnahmen wie beispielsweise Reisebeschränkungen in unterschiedlichem Maße verhängt. Diese Vorkehrungen sind hilfreich, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und zu verhindern, sind aber auch mit wirtschaftlichen und sozialen Kosten verbunden.

An dieser Stelle sei nur einmal an die frühen Tage des Ausbruchs des H1N1-Grippevirus in Mexiko gedacht. Damals hatten die politischen Entscheidungsträger anfänglich ebenfalls Quarantänen verhängt, Reisemöglichkeiten eingeschränkt, etc. Nach einer Weile wurden diese Maßnahmen jedoch aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Kosten wieder eingestellt. H1N1 ist eine interessante Fallstudie, da sich die Sterblichkeitsrate letztendlich als recht niedrig erwies. Ob die Sterblichkeitsrate beim Coronavirus letzten Endes auf ein ähnliches Niveau wie bei H1N1 fallen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit zur Vermögensallokation

Im Zuge der Aktualisierung unserer ursprünglichen Einschätzung des Coronavirus haben sich einige Dinge geändert. Die Auswirkungen auf das Wachstum haben sich bislang zwar auf China und Asien konzentriert, angesichts der Ausbreitung des Virus wird es jedoch immer wahrscheinlicher, dass sich die Wachstumsfolgen auch im Rest der Welt bemerkbar machen werden. Für US-Verbraucher wird es schwierig, ihre Belastbarkeit aufrecht zu erhalten, sollte sich das Virus in den USA weiter ausbreiten. Die politischen Gegenmaßnahmen sind bislang ermutigend ausgefallen.

Aus Sicht der Vermögensallokation bevorzugen wir nach wie vor Regionen, die über die politische Flexibilität verfügen, auf einen Wachstumsschock zu reagieren. Hierzu zählen unter anderem die USA und das Vereinigte Königreich. Für Regionen mit einer eingeschränkten Geldpolitik und fiskalpolitischen Herausforderungen wie etwa die Eurozone wird sich die Lage schwieriger gestalten, wenn sich das Virus in der Region weiter ausbreitet. Aus einer breiteren Portfoliosicht sind wir weiterhin davon überzeugt, dass geschicktes Management gefragt ist, um die Herausforderungen zu meistern, die sich im kommenden Jahr stellen.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Die Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Anlageportfolio den steigenden Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Die Anlage im Ausland ist mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die die Wertpapiermärkte stützen würden, entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in „Frontier Markets“ (Grenzmärkten) in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse abträgliche Faktoren wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität, Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen vorliegen, sind die mit Schwellenländern assoziierten Risiken in solchen Grenzmärkten noch höher.

[1] Diversifizierung ist keine Gewinngarantie und bietet keinen Schutz vor Verlusten.

[2] Die Umfragen zum Einkaufsmanagerindex messen das Aktivitätsniveau von Einkaufsmanagern im Fertigungs- und Dienstleistungssektor. Ein Wert oberhalb der Marke von 50 signalisiert Expansion innerhalb des Sektors, ein Wert unterhalb von 50 deutet auf eine Kontraktion hin.

[3] Quelle: Weltgesundheitsorganisation, Stand: 26. Februar 2020.

[4] Ebd.

[5] Quelle: ISI.

[6] Quelle: Morgan Stanley Research, Stand: 12. Februar 2020.