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Anleihen

US-Hochzinsanleihen erleiden einen Doppelschlag

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Den weltweiten Märkten wurde ein doppelter Schlag versetzt: die Ausbreitung des Coronavirus und ein Ölpreiskrieg, der die Preise einbrechen ließ. Glenn Voyles, Matt Fey und Bryant Dieffenbacher von Franklin Templeton Fixed Income untersuchen die Folgen für Hochzinsanleihen.

Die Spreads von US-Hochzinsanleihen haben sich in den vergangenen Tagen deutlich ausgeweitet und liegen nun auf Niveaus wie zuletzt Anfang 2016. Diese Ausweitung dürfte sich fortsetzen. Der Abverkauf ist ein Ergebnis der gleichzeitigen negativen Schocks für Angebot und Nachfrage.

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus (Covid-19) erhöht die Abwärtsrisiken für die fundamentale Lage am Markt für US-Hochzinsanleihen. Auch wenn vieles ungewiss bleibt, könnte eine lange Phase wirtschaftlicher Belastungen einen breiten Querschnitt von Emittenten in dieser Anlageklasse treffen und die Ausfallquote steigern, auch wenn diese historisch betrachtet auf niedrigen Niveaus liegt.

Die Lage wird durch den Einbruch der Ölpreise nach den geplatzten Verhandlungen zwischen den „OPEC+“-Staaten1 und den anschließenden Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien noch verschärft. Bei Fortbestehen der aktuellen Preise könnte bei einem Großteil der Hochzinsemittenten in den Bereichen Exploration und Produktion sowie Energiedienstleistungen auf längere Sicht ein Ausfallrisiko entstehen.

Um es richtig einzuordnen: Energie ist der größte Sektor am US-Hochzinsmarkt und macht rund 11,5 % des BAML High Yield Index aus.2 Anleihen mancher Hochzinsemittenten aus diesem Bereich, und insbesondere aus Exploration und Produktion sowie Energiedienstleistungen, werden aufgrund des Rückgangs des Rohölpreises für die Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 33 % seit dem 5. März deutlich niedriger gehandelt.

Der Ausblick für den Hochzinssektor wird zu großen Teilen von der Dauer des Coronavirus-Ausbruchs und des Ölpreiskrieges abhängen. Außerhalb des Energiesektors starten die meisten Hochzinsemittenten hinsichtlich ihrer Bilanzen aus einer Position der Stärke. Dies ist auf die umfangreiche Refinanzierungsaktivität und die umfassende Entschuldung in den letzten Jahren zurückzuführen. Daher sollten sie imstande sein, ein oder zwei Quartale mit schlechteren Betriebsergebnissen und begrenztem Kapitalmarktzugang zu überstehen. Nach unserer Überzeugung dürfte der starke Rückgang der Ölpreise und der Zinssätze viele Hochzinsemittenten außerhalb des Energiesektors weiter stützen.

Im Energiebereich dürfte es vermehrt zu Ausfällen kommen, und wir werden im Investment-Grade-Segment des Energiesektors zudem möglicherweise eine Welle sog. gefallener Engel3 beobachten, die nach unserer Schätzung Milliardenbeträge im zweistelligen Bereich ausmachen könnten. Dies wäre im Vergleich zu den 1,2 Billionen US-Dollar Gesamtvolumen des Hochzinsmarktes jedoch verkraftbar.

Angesichts der möglichen nachhaltigeren Belastung der weltweiten Konjunkturaussichten könnten sich vermehrt gefallene Engel zeigen, doch derzeit würden wir dies nicht als erhebliches Risiko für den Hochzinsmarkt insgesamt ansehen.

Übersicht der Ereignisse

  • WTI-Rohöl bricht am Freitag, dem 6. März, um 10 % und am 9. März um weitere 25 % auf USD 31 je Barrel ein.
  • Der Preisrückgang am Freitag war durch Meldungen bedingt, dass die „OPEC+“-Länder sich zusätzlich zur aktuellen Förderkürzung von 2,1 Millionen Barrel pro Tag, die zum Monatsende auslaufen soll, nicht auf eine Verringerung der Förderung um 1,5 Millionen Barrel pro Tag verständigen konnten.
  • Unter der Bedingung, dass die Nicht-OPEC-Produzenten um 0,5 Millionen Barrel pro Tag drosseln, hatte die OPEC einer Kürzung um 1,0 Millionen Barrel pro Tag zugestimmt.
  • Russland (der größte Nicht-OPEC-Produzent) lehnte dies jedoch ab.
  • Berichte, Saudi-Arabien habe die offiziellen Verkaufspreise um USD 6 auf USD 8 pro Barrel gekappt, was auf einen ausgewachsenen Ölpreiskrieg mit Russland hindeute, lösten über das Wochenende und zum Beginn der Handelswoche ab 9. März eine zweite Welle von Verkaufsdruck auf die Ölpreise aus.
  • Nach unserer Überzeugung war Russland es leid, die Förderung zu drosseln und Ölmarktanteile an die USA zu verlieren, und betrachtete das aktuelle Umfeld als günstigen Zeitpunkt, um einer bereits strauchelnden US-Schieferölbranche einen Schlag zu versetzen. Der Kreml dürfte auch geopolitische Beweggründe haben, einschließlich der Vergeltung für US-Sanktionen gegen Teile der russischen Energiebranche.
  • Bei Saudi-Arabien sieht es nach einer Vergeltung für die Weigerung Russlands aus, die Förderung weiter zu bremsen. Es ist derzeit nicht absehbar, ob dies letztlich eine Taktik ist, um Russland an den Verhandlungstisch zurückzuholen oder ob Saudi-Arabien für einen längeren Zeitraum einen niedrigeren Ölpreis dulden möchte, um letztlich Marktanteile zurückzuerlangen und mittelfristig zu profitieren.

Auch wenn wir für unsere Hochzinsportfolios infolge dieser Ereignisse mit negativen Folgen und dem Ausfall von Emittenten rechnen, sind die Auswirkungen im Hinblick auf das gesamte Portfolio und im Vergleich zu den Benchmark-Indizes verkraftbar.

Wir verwalten aktiv unser Engagement in den anfälligeren Bereichen Exploration/Produktion und Energiedienstleistungen, die für Rohstoffe am sensibelsten sind, und bevorzugen Midstream-/Pipeline-Titel, die nach unserer Auffassung relativ widerstandsfähiger sind. Überdies haben einige unserer Energie-Positionen Investment-Grade-Ratings, und diese Anleihen dürften nach unserer Überzeugung relativ defensiver sein.

Außerhalb des Energiesektors haben wir ein relativ begrenztes Engagement in Sektoren wie z. B. Einzelhandel und Transportwesen, für die das Risiko direkter Folgen durch das Coronavirus größer ist, und wir kappten das Engagement im Glücksspielsektor jüngst weiter.

Wir konzentrieren uns auf Fehlbewertungen bei einzelnen Anleihen und suchen nach möglichen Chancen bei Emittenten, die unverhältnismäßig überverkauft wurden, oder bei Emittenten, deren Abwärtsrisiko noch nicht angemessen in den Marktpreisen abgebildet ist.

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  1. OPEC+ ist ein Bündnis von Ölproduzenten, das sowohl Mitglieder als auch Nicht-Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder umfasst.
  2. Quelle: Bloomberg. BAML High Yield Index, Stand: 6. März 2020. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in Indizes nicht berücksichtigt.
  3. Ein gefallener Engel ist eine Anleihe, die ursprünglich ein Investment-Grade-Rating hatte, danach jedoch auf Hochzinsstatus herabgestuft wurde.