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Natürliche Ressourcen: Fokus bei Marktturbulenzen auf hochwertigen Chancen

Werden sich die Rohstoffpreise nach dem Ende der Coronavirus-Pandemie erholen? Fred Fromm von der Franklin Equity Group schildert seine Einschätzung.

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Fred Fromm von der Franklin Equity Group erklärt, warum er trotz des düsteren Ausblicks für Rohstoffunternehmen aufgrund der verschiedenen mit dem Coronavirus verbundenen Sorgen der Meinung ist, dass bestimmte Unternehmen in einer sehr viel besseren Verfassung sind als beim letzten konjunkturellen Abschwung. Zudem erläutert er, warum er besonders auf Liquidität und die Überlebensfähigkeit von Unternehmen achtet, bis sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder verbessert.

Während sich COVID-19 weiter ausbreitet und Regierungen zunehmend aggressive Maßnahmen ergreifen, um das Virus einzudämmen, hat sich der kurzfristige Ausblick für die Weltwirtschaft und die Nachfrage nach Rohstoffen deutlich verschlechtert. Unserer Meinung nach ist die Situation weiterhin im Fluss, da es schwierig ist, die Dauer und die letztendlichen Auswirkungen des Virus vorherzusagen.

Die Rohstoffnachfrage hat gelitten, und daran wird sich vorerst auch nichts ändern, während sich die Wirtschaftstätigkeit weltweit deutlich verlangsamt. Infolgedessen werden die Vorratsbestände ansteigen. In Kombination mit dem Potenzial für dauerhafte Änderungen am Verbraucherverhalten im Nachgang des Ausbruchs könnte die Situation dazu führen, dass Rohstoffpreise noch über mehrere Monate hinweg oder möglicherweise noch länger unter Druck bleiben.

Allerdings haben schnelle Reaktionen bestimmter Energie- und Rohstoffproduzenten zu einer Drosselung des Angebots bei einigen Rohstoffen geführt, was diese negativen Nachfragefaktoren teilweise ausgeglichen hat. Unternehmen haben begonnen, Investitionen zurückzufahren, um liquide Mittel einzusparen, und einige Länder schließen Betriebe, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen. In manchen Fällen werden Ölproduzenten angesichts der schwachen Nachfrage gezwungen sein, ihre Förderung aufgrund eines Mangels an Lagerkapazitäten zu verringern oder ganz einzustellen.

Rohöl wird einer der am stärksten betroffenen Rohstoffe sein, da die Preise im März einen weiteren Rückschlag hinnehmen mussten, als es Saudi-Arabien und Russland nicht gelang, sich auf eine Angebotsdrosselung zu einigen, um die Nachfragedämpfung aufgrund der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 auszugleichen. Im Gegenteil: Offenbar als Reaktion auf die mangelnde Kooperationsbereitschaft Russlands kündigte Saudi-Arabien abrupt einen Plan zu Erhöhung der Förderung und der Exporte an und senkte gleichzeitig seine offiziellen Verkaufspreise an Kunden, um Marktanteile hinzuzugewinnen. Die Ankündigung dieser Maßnahme erfolgte trotz Anzeichen auf eine mögliche Einigung und der klaren Notwendigkeit, das Angebot zu verringern, um ein Aufblähen der globalen Vorratsbestände in einer Phase, in der bereits erhebliches Angebot vorhanden ist, zu verhindern.

Beide Maßnahmen stellten bedeutende und unerwartete Abweichungen von der bisherigen Drosselungspolitik dar und deuten darauf hin, dass eine dreijährige Koalition ihr Ende gefunden haben könnte. Dies hatte sofortige negative Auswirkungen auf die Ölpreise und damit verbundene Wertpapiere. Wir gehen davon aus, dass diese neue, unbeschränkte Strategie die Haushaltskassen der Länder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sowie Russlands erheblich belasten wird. Ihre stark ölabhängigen Staatshaushalte können kein Gleichgewicht erreichen, wenn sich die Ölpreise – wie Anfang April – in der Nähe ihrer 18-Jahres-Tiefs bewegen.

Unserer Meinung nach besteht weiterhin Potenzial für die Erzielung einer Einigung, und die jüngsten Meldungen in den Medien scheinen auf dieses Szenario hinzudeuten. Sollte sich dies jedoch nicht bewahrheiten, dürfte das US-Produktionswachstum aller Wahrscheinlichkeit nach weiter sinken, nachdem die jüngsten verfügbaren Daten bereits gezeigt hatten, dass die Förderung im Dezember und Januar im Anschluss an eine längere Phase rapiden Wachstums zurückgegangen war.[1]

Der globale makroökonomische Ausblick wird neben der Erholung in bestimmten Sektoren für die Art der Erholung der Ölnachfrage von zentraler Bedeutung sein. Für April und Mai ist mit einem heftigen Rückgang zu rechnen, in der zweiten Jahreshälfte könnte es jedoch zu einer starken saisonalen Erholung kommen. Dies wiederum wird bestimmen, wie viel Öl gefördert werden muss, damit Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen, so dass die Preise wieder auf robustere Niveaus zurückkehren können.

Folgen für Anleger

Aufgrund dieser beispiellosen Kombination aus Nachfrage- und Angebotsschocks ist die Anlage in Aktien mit Rohstoffbezog derzeit besonders schwierig. Wir gehen jedoch davon aus, dass dieselben Grundprinzipien für Anlagen im Rohstoffsektor langfristig Bestand haben werden – nämlich, dass Rohstoffpreise auf einem Niveau bleiben müssen, das Anreize für eine Investition in Ressourcen bietet, die sich im Laufe der Zeit erschöpfen.

Unseres Erachtens ist es von zentraler Bedeutung, das in Aktienkursen bereits berücksichtigte Niveau der Rohstoffpreise zu ermitteln. Die Durchführung dieser Bestimmungen ist keine exakte Wissenschaft. Daher nutzen wir Spannen, die sich als relativ präzise Anhaltspunkte dafür erwiesen haben, wie Anleger die Wertpapiere im Laufe der Zeit bewerten. Auch wenn Wertpapierkurse zeitweise von diesen „intrinsischen Werten“ abweichen können, halten diese Phasen jedoch meist nicht lange an und können daher attraktive Kaufgelegenheiten darstellen.

Wir glauben, dass wir uns heute in genau einer solchen Situation befinden – insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass energieorientierte Aktien scheinbar US-Benchmark-Ölpreise unterhalb der Marke von 35 USD je Barrel widerzuspiegeln scheinen. Unserer Meinung nach wird dieses Preisniveau einen fortgesetzten Rückgang der Onshore-Produktion in den USA (sowie aller Wahrscheinlichkeit nach auch in anderen Ländern) zur Folge haben. Auf die US-Schieferölproduktion entfallen inzwischen rund 10 % des gesamten Angebots weltweit, und hier liegen die Rückgangsraten (die Raten, mit denen die Fördermengen von Bohrlöchern oder Ölreservoirs jährlich sinken) deutlich über dem Durchschnitt.

Mehrere Explorations- und Produktionsunternehmen haben bereits erhebliche Ausgabenkürzungen in Höhe von rund 30 % bis 40 % ihrer bisherigen Vorgaben gemeldet, die wiederum bereits einen Rückgang um 10 % gegenüber 2019 hatten erwarten lassen. Darüber hinaus beginnen die größeren Energiekonglomerate (in der integrierten Öl- und Gasbranche), ähnliche Updates mit gemäßigteren geschätzten Rückgängen im Bereich zwischen 20 % und 25 % zu veröffentlichen. Allerdings dürften ihre Pläne zur Kürzung der Ausgaben in den USA vermutlich drastischer sein. Dies mag kurzfristig nicht von Bedeutung sein, während die Nachfrage aufgrund der durch COVID-19 geschaffenen außerordentlichen Umstände schwach ist oder sinkt. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Ölnachfrage im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft wieder ansteigen dürfte, was einen gleichzeitigen (vielleicht sogar starken) Anstieg bei Preisen und entsprechenden Aktien auslösen dürfte.

Trotz des düsteren Ausblicks aufgrund der mit dem Coronavirus verbundenen Sorgen haben sich die Fundamentaldaten im Energiesektor auf Unternehmens- und Branchenebene deutlich verbessert, und sowohl die geschäftlichen Strukturen als auch die Bilanzen und die Absicherungspositionen sind heute in einer sehr viel besseren Verfassung als beim letzten Abschwung, der von Juni 2014 bis Januar 2016 angedauert hatte.

Darüber hinaus wurden Bohr- und Komplettierungsaktivitäten in den USA Ende 2019 deutlich zurückgefahren. Dieser Trend hat sich 2020 fortgesetzt und sogar noch beschleunigt. Während die Fördermengen in den USA sinken, dürfte dies eine bedeutende Umkehr der während der letzten Jahre verzeichneten Trends einläuten, als die US-Produktionsmengen rapide gestiegen waren und die Ölpreise unter Druck gesetzt hatten.

Unserer Analyse zufolge sind viele Metall- und Bergbauunternehmen zwar von den beispiellosen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft betroffen, sie befinden sich jedoch in starken Positionen, da die Managementteams in den letzten Jahren gezögert haben, in Großprojekte zu investieren. Dies hatte eine Stärkung der Bilanzen nach sich gezogen. Unseres Erachtens dürften kapitalstarke Unternehmen daher in der Lage sein, den kurzfristigen Nachfrageschock zu verkraften. Zudem könnten sie von den verschiedenen Konjunkturmaßnahmen profitieren, die Regierungen ergreifen, um die Wirtschaftstätigkeit wieder anzukurbeln.

Angesichts der weitläufigen Schwäche an den Aktienmärkten versuchen wir, Kapital in Aktien zu investieren, die unserer Einschätzung nach das attraktivste Verhältnis von relativer Belastbarkeit und Aufwertungspotenzial bieten. Wir sind der Meinung, dass zahlreiche Unternehmen im Rohstoffsektor unterbewertet erscheinen, in einigen Fällen sogar drastisch. Dennoch achten wir angesichts der erheblichen Ungewissheit bezüglich der Tiefe und Dauer der COVID-19-Krise und des aggressiven Ansatzes, den führende OPEC-Produzenten derzeit verfolgen, genau auf die Liquidität und die Überlebensfähigkeit von Unternehmen, bis sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder verbessert.

Wir sind der Ansicht, dass sich ähnlich wie im Fall der globalen Finanzkrise des Jahres 2008 eine Konsolidierung von Positionen auf die hochwertigsten Unternehmen und die Nutzung von Schwächephasen zur Erhöhung des Engagements als der richtige Ansatz erweisen wird, auch wenn dies die Performance kurzfristig belasten könnte.

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[1] Quelle: EIA, 31. März 2020.