Beyond Bulls & Bears

Aktien

Meine Gedanken zur aktuellen Lage: Die Wirtschaft von der Intensivstation holen

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Vereinfachtes Chinesisch Französisch Italienisch Spanisch Polnisch

Nach aktuellen Daten erscheint eine durch das Coronavirus bedingte Rezession in den USA unvermeidlich, und viele Anleger fragen sich, wie lange sie dauern wird. Sonal Desai, Chief Investment Officer von Franklin Templeton Fixed Income, beurteilt die Unterschiede zwischen dieser und anderen Rezessionsphasen und fragt, ob die Politik eine Erholung einleiten kann.

Es geschieht: In den USA stieg die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe binnen zwei Wochen von quasi null auf rund zehn Millionen. Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft ging im März um 700.000 zurück. In den letzten zehn Jahren war sie im Durchschnitt um fast 200.000 pro Monat gestiegen. Die Arbeitslosenquote in den USA kletterte von 3,5 % auf 4,4 % und löste bei Analysten und Medien Wehklagen aus. Die Rezession ist da, und die Wirtschaft liegt auf der Intensivstation.

Doch welche Art von Rezession wird es sein, und welche Art von Erholung wird folgen?

Es gibt bereits zahllose Vergleiche mit der globalen Finanzkrise und der Großen Depression. Vielleicht wird die Covid-19-Rezession so schlimm wie 2009 oder 1929 oder noch schlimmer. Doch dieses Mal unterliegt das Ausmaß der Rezession teilweise noch der Kontrolle der Politik. Diese Rezession ist ganz anders, und dieses Wissen ist unverzichtbar, um ihren Verlauf zu verstehen.

Diese Rezession wurde nicht durch einen wirtschaftlichen oder finanziellen Schock ausgelöst. Es ist eine Rezession per Verfügung, die durch ein staatliches Dekret ausgelöst wurde. Die US-Regierung beschloss, weite Teile der Wirtschaft von heute auf morgen stillzulegen, und wies Arbeitnehmer und Verbraucher an, zu Hause zu bleiben. Dies war zur Eindämmung der Epidemie die klügste Notfallmaßnahme, doch ihre massiven wirtschaftlichen und sozialen Kosten werden rasch deutlich.

Der wichtigste Unterschied zur großen Finanzkrise besteht in der zugrunde liegenden Verfassung der Wirtschaft. 2009 war das Platzen einer riesigen, vielschichtigen Kreditblase der Auslöser. Der Finanzsektor erstarrte, und die Kreditvergabe kam zum Erliegen. Die Finanzunternehmen nahmen Massenentlassungen vor. Die Nicht-Finanzunternehmen folgten, und dies schlug sich in einer schrumpfenden Nachfrage nach Dienstleistungen nieder. Vor der Erholung standen zwei hohe Hürden: (i) die Sanierung der Bankbilanzen und die Wiederaufnahme der Kreditvergabe; und (ii) die Wiederbelebung von Investitionen, Beschäftigung und Produktivität in den richtigen Bereichen, nachdem die Kreditblase zu einer massiven Fehlallokation von Humankapital und finanziellen Ressourcen geführt hatte.

Dieses Mal befindet sich der Bankensektor in guter Verfassung. Tatsächlich verlassen sich Regierung und US-Notenbank (Fed) darauf, dass er im Kampf gegen das Virus die Wirtschaft am Leben hält. Manche Unternehmen sind nach einer langen Phase mit rekordniedrigen Zinssätzen überschuldet, doch insgesamt erwies sich der Sektor der Nicht-Finanzunternehmen gegenüber einigen anderen Schocks wie z. B. politischer Unsicherheit oder Protektionismus als widerstandsfähig.

Der wichtigste Unterschied zur Großen Depression ist die Reaktion der Politik. 1929 gab es keine. Tatsächlich vertiefte die Fed die Rezession, indem sie ihre Geldpolitik sogar dann noch straffte, als die Wirtschaft bereits am Taumeln war. Aufbauend auf den jüngsten Erfahrungen in der großen Finanzkrise, erfolgten die fiskalischen und geldpolitischen Reaktionen dieses Mal unverzüglich, mit Wucht und wohl durchdacht. Die Fed kündigte eine unbegrenzte quantitative Lockerung und neue Fazilitäten an, um die Kreditvergabe bei Bedarf am Laufen zu halten. Der Kongress billigte ein Konjunkturpaket über 2,2 Billionen Dollar, um die Arbeitslosenunterstützung zu erhöhen und bedürftigen Haushalten und Unternehmen rasch binnen Wochen Liquidität bereitzustellen.

Der Teufel steckt jedoch im Detail, und die Umsetzung ist häufig schwieriger als die Planung. Es wird ruckeln und zuckeln, denn die Banken haben Schwierigkeiten, die enorme Zahl neuer Kredite zu bearbeiten, und die staatlichen Stellen haben Mühe, die Hilfen an eine plötzlich viel größere Anzahl bedürftiger Menschen weiterzugeben.

Die aktuellen US-Arbeitslosenzahlen spiegeln das ungewöhnliche Wesen dieser Rezession wider. Die Zahl der Menschen, die sich als vorübergehend entlassen meldeten, kletterte im März um 1 Million auf saisonbereinigt 1,8 Millionen. Viele Arbeitgeber hegen offenbar die Hoffnung auf eine kurze Schließung und möchten für diesen Fall ihre Mitarbeiter scheinbar wieder einstellen, sobald das Geschäft neu anläuft. Dauerhafte Arbeitsplatzverluste gab es „lediglich“ 177.000.

Die Arbeitslosenzahlen sind erschütternd, sollten uns jedoch nicht umwerfen.

Die Schließungen waren der schnellste Weg, die Ansteckung einzudämmen. Aber nun machen sich allmählich die Wirklichkeit und das absehbare Ausmaß der sozialen und wirtschaftlichen Folgen bemerkbar. Sie müssen bei der Entscheidung über die nächsten Schritte berücksichtigt werden. Tausende kleiner Unternehmen suchen nach Wegen, wie sie überleben können. Millionen Menschen sehen sich plötzlich ihrer Existenzgrundlage beraubt. Am verwundbarsten sind in dieser Lage auf jeden Fall die Arbeitnehmer, die erst vor kurzem anfingen, vom angespannten Arbeitsmarkt zu profitieren, und die Menschen mit niedrigen Löhnen oder Stundenlöhnen und geringen Ersparnissen. Selbst eine relativ kurze Schließung mit staatlichen Hilfen setzt diese Klasse von Arbeitnehmern finanziell und persönlich sehr stark unter Druck. Eine längere Schließung könnte ihnen einen Schlag versetzen, der ihr Leben verändert.

 

Wie tief diese Rezession sein wird und wie schwierig die Erholung, hängt davon ab, wie lange wir die Wirtschaft in diesem künstlichen Koma halten.

Sofern wir die Wirtschaft im Mai allmählich wieder öffnen und die Aktivität im Juni leicht beschleunigen, könnten die Schäden begrenzt sein, insbesondere, wenn die Regierung Haushalte und Unternehmen weiterhin unterstützt.

Die meisten Medizinexperten weisen darauf hin, dass das Gesundheitsrisiko verschwinden wird, sobald wir einen Impfstoff haben oder die Bevölkerung durchseucht und immun ist. Doch die soziale Distanzierung verhindert die Immunisierung, und die Entwicklung eines Impfstoffs dürfte laut den meisten Experten 18 Monate bis zwei Jahre dauern.

Wir stehen daher vor einem schwierigen Kompromiss zwischen gesundheitlicher und wirtschaftlicher Unsicherheit. Je länger die Schließungen dauern, desto besser verstehen wir das Virus (mehr Zeit bedeutet mehr Tests, die uns eine bessere Schätzung erlauben, inwieweit die Bevölkerung bereits infiziert ist und wie hoch die Sterblichkeit wirklich ist), desto größere Fortschritte werden bei Impfstoffen und Therapien erzielt und desto mehr Kapazitäten können wir in den Kliniken aufbauen. Doch eine längere Schließung bedeutet, dass mehr Menschen ihre Arbeit verlieren und mehr Unternehmen unter großen Verlusten an personellem und physischem Kapital das Handtuch werfen.

Je länger die Schließung dauert, desto schwieriger, langsamer und teurer wird die Erholung. Das CARES-Hilfspaket beläuft sich auf rund 10 % des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP), und es dürfte noch mehr nötig sein. Für dieses Jahr wurde bereits ein Haushaltsdefizit von rund 5 % des BIP vorhergesagt, und der Einbruch der Aktivität und Steuereinnahmen wird das Gesamtdefizit weiter erhöhen. Es ist jetzt nicht an der Zeit, sich um steigende Staatsschulden zu sorgen. Aber diese Zeit wird kommen. Je stärker die Staatsschulden und die Bilanz der Fed wachsen, desto höher ist das Risiko, dass diese Ungleichgewichte uns künftig weiteres Kopfzerbrechen bereiten werden.

Könnte es zum Szenario einer neuen Großen Depression kommen? Die Große Depression begann 1929, erreichte 1933 ihre Talsohle und dauerte nach gängiger Ansicht bis 1939. Eine tiefe Rezession und Deflation halbierte das nominale BIP innerhalb kürzester Zeit. Der Verbraucherpreisindex fiel um fast ein Drittel. Roosevelts New Deal trug zur Stabilisierung der Lage bei, doch zu ihrer Überwindung brauchte es den 2. Weltkrieg und die Anstrengungen der Nachkriegszeit. Wie bereits erwähnt, verschlimmerte die Politik vor Roosevelt das Problem. Europa ächzte zu dieser Zeit immer noch unter den Folgen des 1. Weltkrieges, wobei Deutschland auch die Last der Reparationszahlungen zu schultern hatte. Die Volkswirtschaften Asiens spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Die heutige Reaktion der Politik könnte nicht unterschiedlicher sein, denn in aller Welt setzt die Politik Konjunkturanreize. Die asiatischen Schwellenländer machen ein Drittel der Weltwirtschaft aus, und Asien bewältigt die Covid-19-Krise bisher mit viel weniger Schwierigkeiten.

Nach meiner Auffassung ist es zu weit hergeholt, eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008-2009 oder gar der Großen Depression zu erwarten.

Doch je länger wir an dieser Schließung festhalten, desto größer ist das Risiko eines schweren, länger andauernden Abschwungs mit massiven negativen Folgen für einige der schwächsten Bevölkerungsgruppen. Die meisten Angestellten, u. a. in den Sektoren Finanzen, Medien und Technologie, können von zu Hause aus weiterarbeiten und Geld verdienen. Arbeiter können dies zumeist nicht.

In den nächsten zwei oder drei Wochen sollte es vorrangig darum gehen, eine Strategie zu erarbeiten, wie die Wirtschaft wieder in Gang gesetzt und gleichzeitig für ausreichenden Schutz der Bevölkerung gesorgt werden kann. Falls wir noch viel länger warten, wird die Rezession eine Eigendynamik entwickeln, und unsere Möglichkeiten, eine Erholung einzuleiten, werden viel geringer sein.

Wichtige rechtliche Hinweise

Diese Unterlagen sollen ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

Bei der Erstellung dieser Unterlage wurden möglicherweise Daten von Drittanbietern verwendet, und Franklin Templeton („FT“) hat diese Daten nicht unabhängig geprüft oder bestätigt. FT haftet für keinerlei Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Es liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers, auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in den vorliegenden Materialien zu vertrauen.

Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in allen Ländern verfügbar und werden außerhalb der USA von verbundenen Unternehmen von FT und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren professionellen Berater oder an Ihre Kontaktperson für institutionelle Anleger bei Franklin Templeton.

Herausgegeben in den USA von Franklin Templeton Distributors, Inc., One Franklin Parkway, San Mateo, Kalifornien 94403-1906, (800) DIAL BEN/342-5236, franklintempleton.com – Franklin Templeton Distributors, Inc. ist der Hauptvertriebspartner für in den USA registrierte Produkte von Franklin Templeton. Diese sind nicht durch die FDIC abgesichert, können an Wert verlieren und werden nicht durch eine Bank garantiert; sie sind nur in Ländern erhältlich, in denen das Angebot bzw. die Anforderung solcher Produkte nach geltendem Recht und geltenden Vorschriften zulässig ist.

 

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie wirtschaftliche Unsicherheit und politische Veränderungen. Anlagen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Bei Anlagen in Schwellenländern sind diese Risiken sogar noch höher. Bei aktiv verwalteten Strategien könnten Verluste entstehen, wenn sich das Urteil des Anlageverwalters in Bezug auf Märkte, Zinssätze oder die Attraktivität, relativen Werte, Liquidität oder potenzielle Wertsteigerung bestimmter für ein Portfolio getätigter Anlagen als unzutreffend herausstellt. Es kann nicht garantiert werden, dass mit den Anlagetechniken oder Entscheidungen eines Anlageverwalters das gewünschte Ergebnis erzielt wird.