Beyond Bulls & Bears

ETFs

ETF: COVID-19 als Stresstest

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Italienisch

Jason Xavier und Rafaelle Lennox betrachten ETF-Investments im Kontext der COVID-19-Krise und nennen Gründe, warum die Anleger diese Vehikel nach ihrer Auffassung weiterhin schätzen werden.

Jason Xavier

Head of EMEA ETF Capital Markets

Franklin Templeton

 

Rafaelle Lennox

Vice President, ETF Product Strategy

Franklin Templeton

Die Coronavirus-Pandemie hat die Wichtigkeit der Struktur des börsengehandelten Fonds (ETF) 30 Jahre nach seiner Einführung nun bestätigt. In den vergangenen Monaten erwies sich das ETF-Ökosystem dadurch als widerstandsfähig und robust, dass es den Kunden weiterhin innertags und in Echtzeit die Anpassung ihrer Portfolios ermöglichte. Bei Betrachtung der COVID-19-Krise im Kontext von ETF haben diese nach unserer Auffassung ihre vorgesehene Aufgabe in vier wichtigen Bereichen erfüllt:

Liquidität: Das ETF-Ökosystem zeigte einmal mehr, dass Anleger sogar in der Phase mit der drittstärksten Volatilität der Geschichte[1] erfolgreich Liquidität beschaffen konnten, um ihre Portfolios sowohl im Aktien- als auch im Anleihenbereich anzupassen, indem große Blöcke dieser zugrunde liegenden Vermögenswerte in einer einzelnen Transaktion bewegt wurden. Das Ökosystem und die Akteure, die ein erfolgreiches Funktionieren ermöglichen, agierten allesamt wie vorgesehen.

Transparenz: Die tägliche Transparenz der Positionen blieb in dieser volatilen Phase ebenfalls intakt. Nach unserem Dafürhalten sorgte die ETF-Struktur mit der Transparenz rund um die Ausführung für zusätzlichen Nutzen. An den meisten volatilen Tagen während dieser Krise kam es an vielen zugrunde liegenden Märkten zu schweren Verwerfungen und in einigen Fällen zu einer Aussetzung des Handels. Die Fähigkeit der ETF-Struktur und ihres Ökosystems, die zugrunde liegenden Märkte weiterhin korrekt zu bepreisen, ermöglichte der ETF-Struktur, nicht nur die Kosten für Liquidität unter normalen Marktbedingungen zu identifizieren, sondern die Extrakosten für die gleiche Liquidität in volatilen Zeiten waren ebenfalls transparent.

Preisfindung: Wir betonen weiterhin die Fähigkeit der ETF-Struktur, für die Preisfindung zu sorgen. Dies ist ein wichtiger Vorteil für Anleger sowohl aus Sicht der Asset-Allokation als auch des Risikomanagements. Während der Krise kam dies insbesondere der Anlageklasse der Anleihen zugute. Die Fähigkeit von ETF, einen traditionell außerbörslich bestimmten zugrunde liegenden Markt an einen transparenten Handelsplatz zu bringen, ermöglichte eine zuvor selten beobachtete Preisfindung.

Kosteneffizienz: Überdies weisen ETF in Bezug auf die Kosteneffizienz wesentliche Kostenvorteile auf, was die Gesamtkostenquote anbelangt. Abermals stellt die Fähigkeit von ETF, den zugrunde liegenden Korb genau zu bepreisen, sicher, dass Anleger für den unabhängigen Einstieg/Ausstieg in einen/aus einem Fonds in beide Richtungen einen genauen Preis zahlen. Daher halten ETF die Kosten unabhängig, effizient und völlig transparent und stellen sicher, dass bestehende Anteilseigner nicht durch die Kaptalzuflüsse/-abflüsse neuer Anleger benachteiligt werden. Dies ist in volatilen Zeiten insbesondere für langfristig orientierte Anleger wichtig, die am Markt nicht häufig kaufen und verkaufen.

 

[Blaues Feld: Der 30. Jahrestag]

Wir haben uns um den 30. Jahrestag seit Einführung schon einige Zeit Gedanken gemacht. 1987 beratschlagte sich die Aufsichtsbehörde „US Securities and Exchange Commission“ mit dem Markt, um ein effizientes Produkt zu entwickeln, das zusätzliche Liquidität und den Kauf oder Verkauf großer Blöcke von Aktien in einer einzelnen Transaktion ermöglichen könnte. So erblickte vier Jahr später der ETF das Licht der Welt.

Noch vor kurzem waren Kommentatoren zu hören, die aufgrund ihrer schieren Ahnungslosigkeit über das Produkt andeuteten, dass ETF die Ursache für den nächsten großen Marktabschwung sein werden. Die ETF-Struktur und ihr Ökosystem hielten während der COVID-19-Krise jedoch stand und funktionierten wie vorgesehen. Viele Anleger betrachten den ETF als wertvolles Instrument innerhalb ihrer Portfolios, sei es für Kernengagements, taktische Engagements oder das Liquiditäts-/Risikomanagement.

[Ende]

Ein Multi-Faktor-Ansatz für COVID-19

Immer mehr Anleger schätzen ETF, und eine neue Generation von ihnen schöpft bereits voll die Vorteile aus, die auf Basis volatiler Phasen der Vergangenheit beabsichtigt sind. Und wir beobachten eine Entwicklung weg von direkten Aktien- und Anleihen-ETF in neue Nischen, darunter die sog. Faktor-ETF.

Auch wenn die Anleger, als sich COVID-19 allmählich rund um den Globus ausbreitete, Vermögenswerte anfangs relativ wahllos verkauften, setzte doch eine Flucht in Qualität ein. Die am wenigsten volatilen Aktien und Aktien mit höherer Qualität verzeichneten im ersten Quartal geringere Verluste als der Gesamtmarkt. Dies ist völlig normal. Die Anleger bevorzugten insbesondere Aktien mit niedriger Verschuldung.

Im zweiten Quartal kam es am Markt zu einer starken Erholungsrally, die vornehmlich durch US-Wachstumsaktien angetrieben wurde.   Growth-Titel entwickeln sich nach einer Krise generell nicht gut. Daher war die Rally in diesem Bereich überraschend. Wir hätten eine Rückkehr des Interesses an substanzorientierten Aktien erwartet, doch in den vergangenen Monaten verzeichneten sie eine Underperformance.

Im ETF-Bereich leuchtet im aktuellen Umfeld ein, dass sich der Growth-Faktor gut entwickelt, denn durch die Krise hat sich ein Großteil unserer täglichen Aktivitäten von Bildung über Einkaufen bis zu Telearbeit ins Internet verlagert. Dieser Trend kommt den großen technologieorientierten Unternehmen zugute, die die Benchmark-Aktienindizes in den USA und anderen Märkten dominieren.

Nach unserem Dafürhalten werden die Anleger viel mehr Vertrauen in eine nachhaltige Markterholung brauchen, bevor sie zu einer Rotation zurück in ramponierte Value-Aktien aus Bereichen wie Finanzen oder Energie bereit sein werden. In den USA steigt die Zahl der Coronavirus-Fälle weiter. Daher besteht dort weiterhin Unsicherheit in Bezug auf den Verlauf der Erholung.

Faktorbezogenes Timing ist stets sehr schwierig. Daher befürworten wir einen Multi-Faktor-Ansatz, bei dem ein Anleger seine Investments streuen kann und das Timing der Faktoren weniger entscheidend ist. Faktoren wie z. B. Qualität und niedrige Volatilität können den Anlegern helfen, an volatilen Märkten auf Kurs zu bleiben, und Momentum kann zur Identifizierung positiver Investmenttrends in dieser Phase beitragen.

Verdeutlicht wurden durch diese Krise die Klassifizierungen von ETF. Nicht alle ETF sind identisch. Es gibt den breit gefassten Begriff der börsengehandelten Produkte (ETP). Zu den ETP gehören börsengehandelte Schuldverschreibungen (ETN), börsengehandelte Rohstoffe (ETC), börsengehandelte Fonds und andere.

Selbstverständlich haben sich nicht alle ETF in der Krise gleich entwickelt. Es gab beispielsweise einen enormen Unterschied zwischen der Wertentwicklung der einzelnen Schwellenländer, insbesondere, wenn man Lateinamerika und die asiatischen Schwellenländer vergleicht. Es dürfte kaum jemandem bewusst sein, dass China tatsächlich einer der wenigen Märkte ist, die in diesem Jahr im Plus liegen. Anleger trennen ihr China-Engagement insbesondere aufgrund der enormen Größe des Marktes, aber auch aus Gründen der taktischen Allokation allmählich von ihren breiteren Schwellenländer-Allokationen ab.

Auch Südkorea hat die Krise recht gut bewältigt. Zur Eindämmung des Virus wurden hochentwickelte Tracking-Systeme eingeführt, und auf fiskalischer Ebene ging das Land mit einer relativ niedrigen Verschuldung in die Krise. Südkorea ist überdies ein wichtiger Akteur in der globalen Technologiebranche und führend bei disruptiven und innovativen Technologien.

 

Daher prüfen viele Anleger die Chancen am südkoreanischen Aktienmarkt nun genauer, und nach Vehikeln wie z. B. ETF mit Schwerpunkt Südkorea gibt es daher verstärktes Interesse.

Die Lage in Brasilien gestaltet sich dagegen ganz anders. Seine Wirtschaft und sein Markt haben Schwierigkeiten. Finanzen und Energie machen einen großen Teil des brasilianischen Marktes aus, und diese beiden Sektoren wurden getroffen. Der Verlauf der Coronavirus-Epidemie ist in Brasilien mit hohen Fall- und Todeszahlen zudem recht schwer. Die Anleger können sich daher auf Aktienmärkte verlagern, an denen es größere potenzielle Chancen gibt, und sie können dies mit einem kostengünstigen, effizienten ETF für ein einzelnes Schwellenland tun.

Nach unserer Auffassung wird sich die Landschaft der ETF weiter entwickeln, so dass die Klassifizierungen für einzelne Segmente noch genauer und differenzierter sein werden. Dies wird den Anlegern die Möglichkeit bieten, in ihren Allokationen präziser zu sein und dabei weiterhin die bewährten Vorteile der ETF-Struktur zu nutzen.

 

Um Analysen von Franklin Templeton als E-Mail zu erhalten, abonnieren Sie den Blog Beyond Bulls & Bears.

Um diesen Beitrag zu kommentieren oder Fragen zu diesem Thema zu stellen, folgen Sie uns auf Twitter @FTI_Globalund auf LinkedIn

Wichtige rechtliche Hinweise

Diese Unterlagen sollen ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Unternehmen und Fallstudien im vorliegenden Dokument dienen lediglich zur Veranschaulichung. Eine Anlage wird derzeit nicht unbedingt in einem von Franklin Templeton empfohlenen Portfolio gehalten. Die dargestellten Einschätzungen sollen lediglich einen Einblick in den Prozess der Wertpapieranalyse gewähren. Die bereitgestellten Informationen stellen weder eine Empfehlung noch eine individuelle Anlageberatung in Bezug auf bestimmte Wertpapiere, Strategien oder Anlageprodukte dar und sie sind kein Hinweis auf Handelsabsichten eines durch Franklin Templeton gemanagten Portfolios. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Tatsachen hinsichtlich einer Branche, eines Wertpapiers oder einer Anlage dar und sind nicht als Anlageempfehlung anzusehen. Sie sollen vielmehr Einblick in das Vorgehen bei der Portfolioauswahl und in den Research-Prozess gewähren. Daten und Fakten stammen aus Quellen, die als zuverlässig betrachtet werden, wurden jedoch nicht unabhängig auf Vollständigkeit oder Richtigkeit überprüft. Diese Ansichten sind nicht als Anlageberatung oder als Angebot für ein bestimmtes Wertpapier zu verstehen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

Bei der Erstellung dieser Unterlage wurden möglicherweise Daten von Drittanbietern verwendet, und Franklin Templeton („FT“) hat diese Daten nicht unabhängig geprüft oder bestätigt. FT haftet für keinerlei Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Es liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers, auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in den vorliegenden Materialien zu vertrauen.

Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in allen Ländern verfügbar und werden außerhalb der USA von verbundenen Unternehmen von FT und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren professionellen Berater oder an Ihre Kontaktperson für institutionelle Anleger bei Franklin Templeton.

Herausgegeben in den USA von Franklin Templeton Distributors, Inc., One Franklin Parkway, San Mateo, Kalifornien 94403-1906, (800) DIAL BEN/342-5236, franklintempleton.com – Franklin Templeton Distributors, Inc. ist der Hauptvertriebspartner für in den USA registrierte Produkte von Franklin Templeton. Diese sind nicht durch die FDIC abgesichert, können an Wert verlieren und werden nicht durch eine Bank garantiert; sie sind nur in Ländern erhältlich, in denen das Angebot bzw. die Anforderung solcher Produkte nach geltendem Recht und geltenden Vorschriften zulässig ist.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Maklerprovisionen und ETF Aufwendungen schmälern die Renditen. ETF Anteile können den Tag über zu ihrem Marktpreis an der Börse, an der sie notiert sind, gekauft oder verkauft werden. ETFs werden wie Aktien gehandelt. Ihr Marktwert schwankt, und sie können zu Kursen gehandelt werden, die über oder unter ihrem Nettoinventarwert liegen. Es kann jedoch nicht garantiert werden, dass ein aktiver Handelsmarkt für ETF Anteile entsteht oder gepflegt wird oder dass deren Notierung fortgeführt wird oder unverändert bleibt. ETF-Anteile können zwar an Sekundärmärkten gehandelt werden, aber eventuell werden sie nicht unter allen Marktbedingungen ohne Weiteres gehandelt, und in Zeiten von Marktstörungen können sie erhebliche Abschläge aufweisen.

 

[1] Quelle: Bloomberg. Der drittgrößte Rückgang an einem einzigen Tag sowohl an den US- als auch den europäischen Aktienmärkten war im März dieses Jahres. Nur 1987 und 1929 war der Absturz größer.