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Perspektiven

Rückkehr zum Alltag nach Corona: Ein Blick auf die Zinssätze und die Inflation in Europa

Angesichts der beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Unterstützung und der steigenden COVID-19-Impfzahlen besteht Hoffnung, dass dieses Jahr eine nachhaltigere und robustere Wirtschaftserholung bringen wird. Die Anleger fragen sich jedoch, was die Folgen sein werden: Inflation und höhere Zinsen? Unser Head of European Fixed Income David Zahn schätzt die Situation für uns ein.

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Angesichts der Herausforderungen des Coronavirus und eines langanhaltenden Niedrigzinsumfelds stellen viele Anleger ihr Engagement in festverzinslichen Anlagen infrage. Aus europäischer Perspektive sehen wir in diesem Jahr und darüber hinaus jedoch weiterhin viele potenzielle Chancen.

Der Inflationsfaktor

Die Inflation treibt sicherlich viele Anleger um, denn zahlreiche Volkswirtschaften scheinen im Zuge der weiteren Erholung von der Pandemie einem stärkeren Wachstumsjahr entgegenzublicken. Die Renditen auf US-Staatsanleihen sind vor dem Hintergrund einer drohenden Reflation gestiegen und die Anleihenrenditen in Europa haben es ihnen gleichgetan.

Unserer Einschätzung nach werden die Zinssätze in Europa in diesem Jahr jedoch nicht wesentlich ansteigen. In den USA scheint eine höhere Inflation wahrscheinlich, wobei dies zu großen Teilen vorübergehend und auf bestimmte Sektoren beschränkt sein könnte. In Europa hingegen bleiben die Chancen für eine anhaltende Inflation aus unserer Sicht äußerst niedrig.

Die Verbraucherpreisinflation für den Euroraum betrug im Januar 2021 im Jahresvergleich 0,9 % – der erste Anstieg nach mehreren Monaten mit negativen Zahlen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat prognostiziert, dass die Inflation im Euroraum bis 2023 auf 1,3 % ansteigen wird. Zuvor lag sie wohlgemerkt jahrelang über dem Zielwert. Auch wenn sie sich vom aktuellen Level etwas nach oben bewegt, ist daher noch lange nicht gesagt, dass die Anleihenmärkte alarmiert sein werden oder dass die EZB den Anstieg als schwerwiegend genug einschätzt, um den Kurs ihrer Geldpolitik zu ändern.

Europa wird mehrere Jahre brauchen, um sich vom Coronavirus zu erholen und wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen. In einem solchen Umfeld gehen wir davon aus, dass die EZB bei ihrer sehr lockeren Geldpolitik bleibt und dass sie ihr Wertpapierkaufprogramm fortsetzt, das den Markt mit Liquidität überschwemmt hat. Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer langsamen Erholung erwarten wir in den nächsten fünf Jahren, wenn nicht länger, keinen Anstieg der Zinssätze.  Immerhin hat Europa nach der globalen Finanzkrise von 2008/2009 mehr als zehn Jahre gebraucht, um zu seiner alten Form zurückzukehren.

Wir sind der Meinung, dass die europäischen Entscheidungsträger aus der Vergangenheit gelernt haben und jetzt eher bereit sind, Ausgaben zu tätigen, wenn es nötig ist – d. h., wenn die Wirtschaft schwach ist.

Europäische Politik

Die Anleger sollten natürlich stets die Politik im Euroraum im Auge behalten. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel scheidet dieses Jahr aus dem Amt aus und wird an der Spitze ein Machtvakuum hinterlassen. Es wird interessant sein zu sehen, wer dieses Vakuum füllen wird. Weiterhin ist der ehemalige EZB-Vorsitzende Mario Draghi zurück im politischen Ring; am 13. Februar wird er Ministerpräsident von Italien. Dies ist meiner Meinung nach ein Schritt nach vorne für ganz Europa, da Draghi einer der angesehensten Politiker der Region ist und neben der Reformierung Italiens auch auf europäischer Ebene zahlreiche Reformen vorantreibt. Die neue politische Dynamik wird aus unserer Sicht sehr interessant zu beobachten sein. Sie könnte reale Folgen für die Funktionsweise der EU und der europäischen Regierungen haben und sich somit auch auf die Märkte auswirken. Wir erwarten eine stärkere Zentralisierung der Macht, was sehr wichtig ist, da Europa dadurch auf der Weltbühne attraktiver für Investitionen wird, insbesondere angesichts der umfangreichen gemeinsamen Emission von Schuldtiteln in Reaktion auf die Pandemie.

Ein aktiver Ansatz ist wichtig

Die Coronakrise hat viele Anleger dazu bewegt, neue Schwerpunkte zu setzen. Die Themen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) (ESG) bekommen mehr Aufmerksamkeit. Die Anleger fragen sich: Was kann ich tun, um meine Investments nachhaltiger zu machen? Wie kann ich mein Geld anlegen, um tatsächlich zum Klimaschutz beizutragen? Wir sind der Meinung, dass diese Themen in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen und die Anlageströme stärker beeinflussen werden. Die Konsequenz daraus ist jedoch nicht zwangsläufig ein ausschließliches Investieren in Unternehmen mit den höchsten ESG-Werten.

Wir suchen aktiv nach Unternehmen, die in diesem Bereich noch Arbeit vor sich haben, einem positiven Wandel jedoch offen gegenüberstehen. Also zum Beispiel Unternehmen, die vielleicht eine schlechte CO2-Bilanz haben oder in sozialer Hinsicht Probleme aufweisen, deren Unternehmensleitung dies jedoch erkannt hat und in diesen Bereichen Verbesserungsbedarf sieht. Solche Unternehmen können Anlegern auf ihrem Weg der Verbesserung jede Menge Alpha und eine erhebliche Wertsteigerung bieten. Es geschieht natürlich nicht über Nacht, aber mit einem kontinuierlichen Engagement über mehrere Jahre können wir in diesem Bereich große Fortschritte erwarten. Viele Unternehmensemittenten beginnen gerade erst, sich mit ESG-Fragen zu beschäftigen. Wenn sie zur Kommunikation und Zusammenarbeit bereit sind, halten wir das für sehr vielversprechend.

All das trägt zu unserer Überzeugung bei, dass ein aktiver Ansatz sehr wichtig ist. In den nächsten 12 bis 18 Monaten dürften sich die Anleihenmärkte unserer Einschätzung nach volatil zeigen. Vor diesem Hintergrund sind wir vom Wert des aktiven Managements überzeugt: Die Anleger müssen agil sein und möglicherweise ihr Portfolio umstellen, um Alpha zu generieren. Außerdem halten wir eine gewisse Liquidität für wichtig, damit potenzielle Chancen genutzt werden können.

Trotz der potenziellen Risiken und Unsicherheiten sehen wir nach wie vor neue Chancen bei europäischen festverzinslichen Anlagen. Ausgewählte hochverzinsliche Anleihen mit BB-Rating erscheinen uns in Europa recht attraktiv, zum Beispiel im Rahmen einer Hantelstrategie mit einigen risikoärmeren und einigen risikoreicheren Investments im Portfolio. Außerdem suchen wir nicht nur im Euroraum nach Chancen, sondern in ganz Europa, einschließlich der europäischen Schwellenländer. Aus unserer Sicht funktionieren festverzinsliche Anlagen immer noch als Diversifikationsfaktor in einer schwierigen Marktlage – und wir haben die Auswirkungen der Pandemie noch nicht ganz hinter uns gelassen.

 

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