Beyond Bulls & Bears

Aktien

Spotlight auf Hochzinsanleihen: Automobile und Halbleiter

Das Coronavirus hat Dominoeffekte über viele Branchen und Sektoren hinweg ausgelöst, u. a. in der Automobilindustrie. Zu dem schwierigen Umfeld durch Lockdowns, die Stillstände der Fahrzeugfertigung erzwangen, kamen Engpässe bei bestimmten Teilen – insbesondere Halbleitern – hinzu, die bis heute anhalten. Aleck Beach, Analyst bei Franklin Templeton Fixed Income, erklärt, was das für Anleger bedeutet.

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Vereinfachtes Chinesisch

Als sich das Coronavirus Anfang 2020 rund um den Globus ausbreitete, litt die Automobilindustrie weltweit unter schwerwiegenden Werksschließungen. Im zweiten Halbjahr 2020 setzte die Branche langsam zur Erholung an, doch schon kam eine neue Herausforderung auf: Engpässe bei Einzelteilen, deren Effekte sich bald branchenweit niederschlagen sollten. Die Automobilindustrie arbeitet seit Langem mit einer komplexen Lieferkette aus Teilen und Komponenten, die auf „Just-in-Time“-Basis produziert, geliefert und in die Fertigungsstraßen integriert werden. Doch während die Autowerke aufgrund von staatlich angeordneten Lockdowns stillstanden, brachte der Übergang zu Homeoffice und Homeschooling einen Anstieg beim Computer-, Netzwerk- und Elektronikbedarf.

Und was haben Autos, Lastwagen, Laptops und Breitbandinternet gemeinsam? Sie alle benötigen Halbleiter, um zu funktionieren – ein Engpass bei diesen kleinen, aber essenziellen Teilen brachte denn auch den Autobau branchenweit ins Straucheln.

Halbleiter kommen in einer Vielzahl von Anwendungen im Automobilbereich zum Einsatz, so z. B. in Airbags, Kombiinstrumenten, Parkassistentenkameras, Motor- und Getriebefunktionen, Kraftstoffpumpen und Fenstern. Als die Halbleiterbestellungen während der Werksschließungen in den Keller gingen, verlagerte eine anhaltende Nachfrage aus anderen Branchen die Produktionskapazitäten weg von den Chips, die in Autos verbaut werden, hin zu anderen Endabnehmern, wo höherer Bedarf herrschte.

Als die Automobilwerke dann die Produktion wieder aufnahmen und die Fahrzeugverkäufe sich schneller als erwartet erholten, führten knappe Halbleiterbestände und beschränkte freie Kapazitäten zu einem Engpass bei Halbleitern für die Autoindustrie weltweit. Auf dem Weg eines Fahrzeugs entlang der Fertigungsstraße kann bereits ein einziges fehlendes Teil die Produktion zum Stillstand bringen.

Branchenweit versuchen Fahrzeughersteller durch gezielte Produktionsstopps mit der Halbleiterknappheit umzugehen, wobei sie die Fertigung von margenstarken Produkten wie Pick-ups und SUVs (sport utility vehicles) jener von margenschwächeren Fahrzeugen vorziehen, die weniger nachgefragt werden. Die Erholung der Autoverkaufszahlen, die im zweiten Halbjahr 2020 begann, könnte sich in den kommenden Quartalen verlangsamen, während Halbleiterproduzenten daran arbeiten, das Angebot wieder in Einklang mit der Nachfrage zu bringen.

Der US-Autobauer Ford gab in seinem Bericht zum vierten Quartal 2020 an, dass ein potenzieller Rückgang der Produktion um 10–20 % im ersten Quartal 2021 – bedingt durch Halbleiterengpässe – zu einem Ausfall von 1–2,5 Milliarden USD an Gewinnen führen könnte, falls der Mangel auch im zweiten Quartal noch anhält. General Motors rechnet mit einem potenziellen Negativeffekt von 1,5–2 Milliarden USD.

Auch die europäischen Autobauer verzeichnen die Auswirkungen der Knappheit; Volkswagen, Daimler und Renault erwarten Beeinträchtigungen ihrer Produktion. Insgesamt könnte die weltweite Fahrzeugherstellung laut Schätzungen der Branche im ersten Halbjahr 2021 um 1–2 Millionen Einheiten zurückgehen, was einem Verlust von zig Milliarden Dollar an Einnahmen entspräche. Sollten die Angebotsengpässe über die erste Jahreshälfte hinaus andauern, würden Einnahmen und Gewinne noch weiter schrumpfen.

Die Produktion von Halbleitern ist ein komplexer Prozess, der Hunderte von einzelnen Schritten mit hochmoderner Ausrüstung erfordert. Die Produktionszyklen dauern in der Regel 12–16 Wochen; die fortschrittlichsten Chips brauchen Branchenschätzungen zufolge bis zu 26 Wochen. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie ist bereits hoch. Abgesehen von der nötigen Zeit, die die Herstellung von Halbleiterchips auf den bestehenden Maschinen erfordert, sind also auch zusätzliche Kapazitäten gefragt – doch die Erweiterung bestehender Produktionsstraßen kann sechs bis neun Monate dauern. Da das Chip-Angebot Ende 2020 begann, knapper zu werden, dürfte das derzeitige Missverhältnis von Angebot und Nachfrage unserer Ansicht nach wohl noch bis ins zweite Halbjahr 2021 andauern.

Chip-Nachfrage dürfte auch nach der Pandemie anhalten

Zwar werden sich die jüngsten Angebotsengpässe im Laufe der Zeit normalisieren, doch längerfristige Trends dürften die steigende Nachfrage nach Halbleitern weiterhin antreiben. Die Bemühungen, dem Klimawandel Grenzen zu setzen, werden in Form immer strengerer Emissionsnormen für Autos verankert; der Übergang von Verbrennungsmotoren zu elektrischen Antriebssträngen wird sich demnächst beschleunigen und dürfte für anhaltendes Wachstum im Bereich der Automobilhalbleiter sorgen. Die weltweiten Verkaufszahlen von Elektroautos stiegen 2020 über 40 % auf geschätzte 3,2 Millionen Einheiten – von ca. 2,3 Millionen Einheiten 2019 –, machen jedoch nur etwa 4 % der gesamten Fahrzeugverkäufe aus.1

Abgasvorschriften für Fahrzeuge in Europa wurden kürzlich verschärft: Ziel ist nun ein Branchendurchschnitt von 95 g/km an CO2-Emissionen, was einem Rückgang von rund 27 % gegenüber dem vorherigen Zielwert von 130 g/km entspricht. Weitere Herabsetzungen der Zielwerte sind für 2025 und 2030 geplant2. Des Weiteren hat sich der US-Bundesstaat Kalifornien ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2035 sollen die Neuverkäufe gänzlich aus emissionsfreien Fahrzeugen bestehen. US-Präsident Joe Biden könnte auch auf staatlicher Ebene strengere Kraftstoffverbrauchsnormen einführen. Alle internationalen Autobauer werden eine Reihe neuer elektrifizierter Produkte auf den Markt bringen, um diesen anziehenden Standards gerecht zu werden. Noch machen Elektroautos zwar nur einen geringen Anteil weltweiter Fahrzeugverkäufe aus, doch die Marktdurchdringung dürfte in den kommenden Jahren erheblich zunehmen.

Der Halbleiterbedarf in Fahrzeugen ist im Laufe der Zeit bereits gestiegen und die Elektrifizierung dürfte weiteres Wachstum mit sich bringen, denn Elektroantriebe erfordern Halbleiterchips für zentrale Systemfunktionen wie das Leistungsmanagement. Gemäß Forschungen der Branche enthält ein Fahrzeug Halbleiterteile im Wert von etwa 400 USD – ohne Berücksichtigung des Antriebsstrangs. Bei Mild-Hybrid-Fahrzeugen steigt dieser Wert durch den Halbleiterbedarf im Bereich Leistungsmanagement auf 570 USD pro Fahrzeug; bei Plugin-Hybriden und voll batteriebetriebenen Elektroautos erhöht er sich auf ca. 800 USD.

Da die Marktdurchdringung mit Elektroautos also aufgrund der sich verschärfenden gesetzlichen Regelungen zunehmen wird, profitieren Halbleiterhersteller von einer signifikanten Nachfrageerhöhung von Halbleiterprodukten pro Fahrzeug. Auch Sensoren und Erkennungssysteme, die in den Bereichen Fahrassistenz und automatisiertes Fahren zum Einsatz kommen, steigern den Halbleiterbedarf pro Fahrzeug weiter.

Die derzeitige Halbleiterknappheit und deren Auswirkungen auf die Automobilindustrie ziehen zunehmend die Aufmerksamkeit der Gesetzgeber auf sich. Die Regierung unter Joe Biden hat mittels einer Verfügung eine umfassende Überprüfung der Lieferketten für Hauptmaterialien angeordnet, darunter Halbleiter und seltene Mineralien, die in Elektroautobatterien verwendet werden. Dies folgt auf die Verabschiedung des Gesetzes „CHIPS for America Act“ im US-Kongress, das Teil des Genehmigungsgesetzes zur nationalen Verteidigung für das Haushaltsjahr 2021 ist. Dieses neue Gesetz schreibt staatliche Investitionen in die inländische Halbleiterherstellung und -forschung vor; die Mittel dafür müssen jedoch vom Kongress freigegeben werden.

Aktuelle Kürzungen von Hilfsleistungen für die US-Autobaubranche bringen den Bedarf an amerikanischen Investitionen in Hightech-Industrien wie die der Halbleiter ans Licht. Indirekt könnte davon auch die Autobranche profitieren, unmittelbarer helfen sie aber den Halbleiterfirmen.

Wir sind der Ansicht, dass die Bewertungen von Unternehmensanleihen bereits gut das Umfeld nach der Pandemie eingepreist haben: robuste Kapitalmärkte unter Abzug einer eventuellen Normalisierung von Verbraucherausgaben und wirtschaftlicher Tätigkeit. Als aktive Anleger ist es unsere Aufgabe, Anlagegelegenheiten mit dem attraktivsten Risiko-Ertrags-Verhältnis zu finden – in einem Marktumfeld, das nicht übermäßig viele Renditequellen bereithält. In dieser Dynamik gibt es eine Prämie für die Identifizierung von Situationen, in denen Ertrags- und Cashflow-Wachstum in manchen Sektoren höher sein mögen als in anderen. Die Automobilbranche hat zwar einen stattlichen Wiederanstieg ihrer Verkaufsvolumen verzeichnet, doch einer anhaltenden Erholung könnten in näherer Zukunft Angebotsengpässe bei Einzelteilen wie Halbleitern im Wege stehen. Mittel- bis langfristig wird eine zunehmende Marktdurchdringung mit Elektrofahrzeugen wahrscheinlich einen attraktiven relativen Anstieg der Halbleiterteile pro Fahrzeug für Anleiheemittenten der Branche antreiben. Die Halbleiterindustrie hat in der Vergangenheit jedoch nicht nur Phasen der Angebotsknappheit, sondern auch solche des Überangebots gesehen. Der aktuelle Ausblick für längerfristiges Wachstum beim Halbleiteranteil pro Fahrzeug wird aktiv beobachtet werden müssen, um etwaige Anzeichen zu erkennen, dass die Angebotsausweitung die Nachfrage überholt.

 

Wichtige rechtliche Hinweise

Diese Unterlagen sollen ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

Bei der Erstellung dieser Unterlage wurden möglicherweise Daten von Drittanbietern verwendet, und Franklin Templeton („FT“) hat diese Daten nicht unabhängig geprüft oder bestätigt. FT haftet für keinerlei Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Es liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers, auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in den vorliegenden Materialien zu vertrauen.

Unternehmen und/oder Fallstudien im vorliegenden Dokument dienen lediglich der Veranschaulichung. Eine Anlage wird derzeit nicht unbedingt in einem von Franklin Templeton empfohlenen Portfolio gehalten. Die bereitgestellten Informationen stellen weder eine Empfehlung noch eine individuelle Anlageberatung in Bezug auf bestimmte Wertpapiere, Strategien oder Anlageprodukte dar und sie sind kein Hinweis auf Handelsabsichten eines durch Franklin Templeton gemanagten Portfolios.

Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in allen Ländern verfügbar und werden außerhalb der USA von verbundenen Unternehmen von FT und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen Finanzexperten oder Ihren Ansprechpartner für institutionelle Anleger bei Franklin Templeton.

Herausgegeben in den USA von Franklin Templeton Distributors, Inc., One Franklin Parkway, San Mateo, Kalifornien 94403-1906, (800) DIAL BEN/342-5236, franklintempleton.com – Franklin Templeton Distributors, Inc. ist der Hauptvertriebspartner für in den USA registrierte Produkte von Franklin Templeton. Diese sind nicht durch die FDIC abgesichert, können an Wert verlieren und werden nicht durch eine Bank garantiert; sie sind nur in Ländern erhältlich, in denen das Angebot bzw. die Anforderung solcher Produkte nach geltendem Recht und geltenden Vorschriften zulässig ist.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Die Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Zu den Risiken von Anlagen in Anleihen mit niedrigerem Rating zählen höhere Ausfallgefahr und Kapitalverlust. Veränderungen der Bonitätsbewertung einer Anleihe oder der Bonitätsbewertung oder Finanzkraft des Emittenten, Versicherers oder Garantiegebers der Anleihe können sich auf deren Wert auswirken. Bei aktiv verwalteten Strategien könnten Verluste entstehen, wenn sich das Urteil des Anlageverwalters in Bezug auf Märkte, Zinssätze oder die Attraktivität, relativen Werte, Liquidität oder potenzielle Wertsteigerung bestimmter für ein Portfolio getätigter Anlagen als unzutreffend herausstellt. Es besteht keine Garantie dafür, dass die Anlagetechniken oder -entscheidungen eines Anlageverwalters zu den gewünschten Ergebnissen führen.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Prognosen, Schätzungen oder Hochrechnungen als richtig erweisen.


1 Quelle: EVvolumes.com.

2 Quelle: International Council on Clean Transportation.